Autofahrer, die zu schnell unterwegs sind, greifen besonders häufig zum Smartphone. Das zeigt eine aktuelle Studie des Insurance Institute for Highway Safety (IIHS). Bisher ging man davon aus, dass Handynutzung vor allem bei langsamer Fahrt vorkommt. Doch die Daten von Versicherungs-Apps widerlegen diese Annahme.

„Bisher glaubten Sicherheitsexperten, dass Fahrer ihr Handy vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten nutzen“, erklärte David Harkey, Präsident des IIHS, in einer Pressemitteilung. „Doch die Auswertung von Daten aus Versicherungs-Apps zeigt: Im fließenden Verkehr ist das Gegenteil der Fall.“

Die Apps belohnen sicheres Fahrverhalten mit Prämien und erfassen dabei unter anderem Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsverhalten sowie Standort und Tageszeit. Die Handynutzung wurde anhand von Gyroskop-Daten und entsperrten Bildschirmen erkannt, während die Geschwindigkeit durch GPS-Daten und Abgleich mit Geschwindigkeitsbegrenzungen ermittelt wurde.

Datenbasis: Fast 600.000 Fahrten in den USA

Für die Studie analysierten die Forscher knapp 600.000 Fahrten aus dem Zeitraum Juli bis Oktober 2024. Ausgenommen waren die Bundesstaaten Alaska, Kalifornien, Hawaii und New York. Berücksichtigt wurden nur Fahrten von mindestens 18 Minuten Dauer, bei denen mindestens zwei Minuten auf einer Autobahn zurückgelegt wurden. Zeiten, in denen die Geschwindigkeit mehr als 8 km/h unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit lag, wurden nicht einbezogen.

Das Ergebnis: Auf Autobahnen stieg die Handynutzung um 12 % pro 5 km/h über der zulässigen Geschwindigkeit. Auf anderen Straßen betrug der Anstieg nur 3 % pro 5 km/h. Der Grund: Auf Landstraßen müssen Fahrer häufiger auf Ampeln, Kreuzungen und Stoppschilder reagieren, was die Handynutzung einschränkt.

Zudem zeigte sich, dass die Handynutzung auf Straßen mit höheren Geschwindigkeitsbegrenzungen stärker anstieg. Auf Autobahnen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h war der Anstieg der Handynutzung pro 5 km/h über dem Limit um 9 % höher als auf vergleichbaren Straßen mit 88 km/h. Auf anderen Straßen war der Anstieg bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 72–80 km/h um 3 % höher als bei 40–48 km/h und um 7 % höher als bei 88 km/h.

Mögliche Ursachen: Risikobereitschaft, Stress und einfache Bedingungen

Die Forscher des IIHS vermuten mehrere Gründe für diesen Zusammenhang:

  • Risikobereitschaft: Fahrer, die generell risikofreudig sind, neigen möglicherweise auch zu riskantem Verhalten wie Handynutzung am Steuer.
  • Stress: Frühere Studien zeigen, dass Stress sowohl zu höherer Geschwindigkeit als auch zu vermehrter Handynutzung führen kann.
  • Einfache Verkehrsbedingungen: Auf Autobahnen ohne Ampeln, Fußgänger oder komplexe Kreuzungen sehen Fahrer möglicherweise eine Gelegenheit, ihr Handy zu nutzen.

Die Studie unterstreicht damit die Gefahren der Kombination aus hoher Geschwindigkeit und Ablenkung. Trotz bekannter Risiken greifen viele Fahrer weiterhin zum Smartphone – selbst wenn sie die Konsequenzen kennen.

Quelle: The Drive