Ein guter Chef kann die Arbeitszufriedenheit deutlich steigern – ein schlechter hingegen macht das Berufsleben zur Qual. Eine aktuelle Studie des Harris Poll zeigt, wie verbreitet toxische Führungskräfte in US-Unternehmen sind. Demnach geben 60 Prozent der Beschäftigten an, aktuell unter einem toxischen Vorgesetzten zu arbeiten. Noch höher ist der Anteil bei LGBTQIA+-Mitarbeitenden: Hier liegt die Zahl bei 75 Prozent.
Die Studie definiert einen toxischen Chef als Führungskraft, die durch schädliches Verhalten auffällt – etwa durch unfaire Bevorzugung, mangelnde Anerkennung, Schuldzuweisungen, übermäßige Kontrolle, unrealistische Erwartungen oder unprofessionelles Auftreten. Auch Diskriminierung aufgrund persönlicher Merkmale zählt dazu.
Gravierende Folgen für Gesundheit und Karriere
Die Auswirkungen sind schwerwiegend: 47 Prozent der Befragten geben an, dass das Verhalten ihres Chefs zu Stress, Burnout oder einer Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit führt. Ein Drittel berichtet sogar von finanziellen Verlusten – sei es durch entgangene Bonuszahlungen oder blockierte Beförderungen.
Um mit der Situation umzugehen, setzen viele Arbeitnehmer auf härtere Arbeit: 66 Prozent versuchen, die Forderungen ihres Chefs zu erfüllen, indem sie auch am Wochenende oder im Urlaub arbeiten. Doch dieser Ansatz führt oft nicht zur Lösung des Problems. Stattdessen kündigen viele: Zwei Drittel der Befragten haben bereits wegen eines toxischen Vorgesetzten den Job gewechselt.
Therapie als Ausweg
Um die psychischen Belastungen zu bewältigen, suchen viele Betroffene professionelle Hilfe. 53 Prozent haben bereits eine Therapie begonnen. Gleichzeitig versuchen viele, sich gegen das schädliche Verhalten zur Wehr zu setzen: 55 Prozent haben mindestens eine Maßnahme ergriffen, um sich zu wehren – etwa durch klare Kommunikation oder das Einfordern von Veränderungen.
Besonders aktiv ist die Generation Z: 73 Prozent dieser Altersgruppe haben bereits gegen einen toxischen Chef vorgegangen. Die Gründe für das problematische Führungsverhalten sehen die meisten Befragten in externen Faktoren. 71 Prozent machen den aktuellen wirtschaftlichen Druck dafür verantwortlich, dass Führungskräfte gestresst und ungeduldig reagieren. Auch der Fokus auf künstliche Intelligenz spielt eine Rolle: 44 Prozent der Arbeitnehmer kritisieren, dass ihr Unternehmen mehr in KI investiert als in die Ausbildung und Unterstützung von Führungskräften.
„Wir erleben den größten Technologie-Investitionszyklus einer Generation – doch die menschliche Komponente der Arbeit wird vernachlässigt. Toxische Führung ist kein Charakterfehler, sondern ein Versagen der Unternehmensführung. Viele heutige Manager wurden nie ausreichend ausgebildet oder an Standards gemessen. Jetzt sollen sie durch eine Transformation führen, für die sie nicht gerüstet sind – geschweige denn für die zusätzlichen Herausforderungen durch KI.“
Libby Rodney, Chief Strategy Officer bei Harris Poll
Bessere Führungstrainings als Lösung
Die Mehrheit der Beschäftigten sieht die Lösung nicht in höheren Gehältern oder weniger KI-Einsatz, sondern in besserer Führungskompetenz. 64 Prozent fordern mehr Investitionen in Schulungen für Führungskräfte. Nur so lasse sich das Problem langfristig angehen und die Arbeitskultur nachhaltig verbessern.