Der Wagoneer Custom: Ein kurzes, gescheitertes Experiment

1984 stand der Jeep Wagoneer an einem Scheideweg. Der SJ Wagoneer Limited wurde zum Grand Wagoneer umfirmiert, während der neu eingeführte XJ Cherokee mit aufgewerteter Ausstattung als Basis-Wagoneer und hochwertiger Wagoneer Limited angeboten wurde. AMCs Ziel war es, den XJ Cherokee als Nachfolger des SJ zu etablieren und den alten Wagoneer auslaufen zu lassen. Doch die Strategie ging nicht auf: Der kompakte XJ Wagoneer verkaufte sich schlecht – nie mehr als 25.000 Einheiten pro Jahr. Gleichzeitig blieb der Grand Wagoneer, obwohl veraltet, ein profitables Modell.

Mitte 1984 führte Jeep eine weitere Variante ein: den Wagoneer Custom. Dieses kurzlebige Experiment sollte eine abgespeckte Version des Grand Wagoneer sein. Der Custom verzichtete auf Holzapplikationen außen, nutzte einfache Stahlräder mit Radkappen und bot deutlich weniger Serienausstattung. Statt des Selec-Trac-Allradsystems verfügte er über ein einfaches Teilzeit-4WD. Mit einem Preis von 15.995 US-Dollar (inflationsbereinigt etwa 51.832 US-Dollar) lag er rund 3.000 US-Dollar (inflationsbereinigt 9.721 US-Dollar) unter dem Grand Wagoneer. Doch die Käufer zeigten wenig Interesse – die Sparversion wurde bereits nach wenigen Monaten wieder eingestellt.

Ein optisches Kuriosum: Das Aussehen des Wagoneer Custom

Der Wagoneer Custom stach durch sein schlichtes Design hervor. Obwohl er das überarbeitete Wagoneer-Design trug, fehlten ihm Holzdekor und Schriftzüge. Die einfachen Radkappen und die schwarze Seitenleiste sollten die alternde Karosserie der 1960er-Jahre kaschieren. Im Innenraum setzte sich der Minimalismus fort: Die Türverkleidungen waren schlichter, mit weniger Polsterung und Teppich, und erinnerten an ältere Modelle. Die Fensterheber und Sitze waren manuell bedienbar, und statt Leder kam ein Stoffbezug (häufig im Houndstooth-Muster) zum Einsatz. Die Sitze selbst waren weniger gepolstert als beim Grand Wagoneer.

Das Ende einer Ära: Der Grand Wagoneer nach 1984

Nach dem Scheitern des Custom konzentrierte sich Jeep ab 1985 wieder auf den Grand Wagoneer. In diesem Jahr gab es technische Anpassungen: Die Stabilisatoren wurden überarbeitet, die Stoßdämpfer neu konstruiert und die Hinterfedern angepasst. 1986 erhielt der Grand Wagoneer sein letztes Facelift. Die markante, nach außen geneigte Kühlermaske wurde durch ein flaches, horizontales Design mit drei chromumrandeten Rechtecken ersetzt. Diese beherbergten dünne horizontale Lamellen – ein deutlicher Bruch zum bisherigen Stil.

Der Grand Wagoneer blieb bis 1991 in Produktion, doch seine Blütezeit war vorbei. Der XJ Cherokee hatte sich als erfolgreiches Modell etabliert, während der klassische Wagoneer zum Nischenprodukt wurde. Heute gilt der Wagoneer Custom als extrem seltenes Sammlerstück – ein kurzes, aber faszinierendes Kapitel der Automobilgeschichte.