Generative KI verändert die Justizlandschaft
Eine aktuelle Studie belegt, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz die Art und Weise, wie sich Bürger in den USA vor Bundesgerichten vertreten, grundlegend verändert hat. Die Analyse von Anand V. Shah und Joshua Y. Levy mit dem Titel "Access to Justice in the Age of AI: Evidence from U.S. Federal Courts" (in Vorbereitung) untersucht die Auswirkungen generativer KI auf das Zivilrechtssystem der USA.
Die Forscher stützen sich auf administrative Daten von über 4,5 Millionen zivilrechtlichen Bundesgerichtsverfahren (ohne Strafsachen) aus den Haushaltsjahren 2005 bis 2026 sowie auf 46 Millionen dazugehörige PACER-Akteneinträge. Ihre Erkenntnisse zeigen drei zentrale Entwicklungen:
1. Deutlicher Anstieg selbstvertreter Klagen
Der Anteil der Pro-Se-Klagen – also von Fällen, in denen sich Bürger selbst vertreten – ist seit langem stabil bei etwa 11%. Doch seit dem Einsatz generativer KI steigt diese Zahl rasant: Im Haushaltsjahr 2025 liegt sie bei 16,8%. Besonders betroffen sind Falltypen mit standardisierten Dokumenten, während komplexere Fälle mit Anwaltsbeteiligung kaum Veränderungen zeigen.
2. Höhere Belastung für Bundesgerichte
Die Zunahme selbstvertreter Klagen führt zu einer spürbaren Mehrbelastung der Bundesbezirksgerichte. Zwar werden diese Fälle nicht schneller abgeschlossen, doch die steigende Anzahl und die intensivere Bearbeitung innerhalb der Fälle führen zu einer deutlich höheren Arbeitslast. Innerhalb der ersten 180 Tage eines Verfahrens ist die Anzahl der Akteneinträge bei Pro-Se-Fällen um 158% gestiegen – verglichen mit der Zeit vor dem KI-Einsatz.
3. Nachweisbarer KI-Einsatz in Klagen
Die Forscher überprüften eine Zufallsstichprobe von 1.600 Klagen aus den Jahren 2019 bis 2026. Dabei zeigte sich, dass der Anteil von Klagen mit nachweislich KI-generiertem Text von praktisch null in der Vor-KI-Ära auf über 18% im Jahr 2026 angestiegen ist. Dies unterstreicht, wie stark KI bereits in den juristischen Alltag eingedrungen ist.
„Die Studie zeigt, dass KI nicht nur die Erstellung von Dokumenten erleichtert, sondern auch die Zugangshürden zum Rechtssystem senkt – allerdings mit neuen Herausforderungen für die Gerichte.“
Auswirkungen auf Bundes- und Landesgerichte
Während die Studie ausschließlich Bundesgerichte untersucht, liegt die Vermutung nahe, dass ähnliche Entwicklungen auch auf Ebene der Landesgerichte zu beobachten sind. Die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Forschung notwendig ist, um die genauen Auswirkungen auf das gesamte Justizsystem zu verstehen.
Fazit: KI verändert die Rechtslandschaft nachhaltig
Die Studie von Shah und Levy macht deutlich, dass generative KI das Justizsystem in den USA bereits heute spürbar verändert. Während der Zugang zu rechtlicher Vertretung für viele Bürger einfacher wird, stehen die Gerichte vor neuen Herausforderungen durch die steigende Anzahl und Komplexität der Fälle. Die langfristigen Folgen für das Rechtssystem bleiben abzuwarten.