Roboter holen zum nächsten Schlag aus – diesmal im Tischtennis. Nach Erfolgen in Tennis und Marathonlauf hat Sony mit Ace einen KI-gesteuerten Roboterarm entwickelt, der laut eigenen Angaben erstmals in einem wettkampftauglichen Sport auf Expertenniveau agiert. In einer kürzlich veröffentlichten Studie im Fachmagazin Nature belegen die Forscher, wie Ace unter offiziellen Wettkampfregeln gegen Spitzen- und Profispieler antritt und diese besiegt.

Ein Werbevideo der Sony AI-Abteilung zeigt den Roboter in Aktion: Mit atemberaubender Geschwindigkeit pariert Ace aggressive Schläge, während menschliche Gegner mit voller Kraft zurückschlagen. Die Technologie markiert einen Meilenstein für die Anwendung von KI in der Robotik und unterstreicht die rasante Entwicklung humanoider Roboter in den letzten Jahren.

Von Tischtennis zu Industrie und Sicherheit

Auch wenn ein Tischtennis-Roboter nicht nach der nächsten industriellen Revolution klingt, könnten viele seiner Fähigkeiten in anderen Bereichen Anwendung finden. Peter Dürr, leitender Forscher bei Sony AI und Hauptautor der Studie, erklärt gegenüber Reuters:

„Der Erfolg von Ace mit seinem Wahrnehmungssystem und lernbasierten Steuerungsalgorithmus zeigt, dass ähnliche Techniken in Bereichen mit schnellen Echtzeitsteuerungen und Mensch-Roboter-Interaktion eingesetzt werden können – etwa in der Fertigungsindustrie, Servicerobotik sowie in Sport, Unterhaltung und sicherheitskritischen physischen Domänen.“

Laut der Studie gewann Ace drei von fünf Spielen gegen erfahrene Spieler mit über zehnjähriger Praxis. Gegen Top-Profis verlor das System zunächst noch, doch Sony gibt an, dass Ace mittlerweile auch diese besiegt. Die Komplexität der Technologie ist enorm: Neun Kameras und drei visuelle Systeme ermöglichen es dem Roboter, den Ball mit einer Genauigkeit von einem Millimeter zu verfolgen und dessen Flugbahn in Echtzeit zu berechnen. Die Reaktionszeit liegt bei etwa zehn Millisekunden, während die Spin-Erkennung mit bis zu 700 Hz erfolgt. Für das menschliche Auge wäre diese Bewegung nur als verschwommener Strich wahrnehmbar.

Herausforderung für Profis

Die Präzision und Anpassungsfähigkeit von Ace stellt selbst erfahrene Tischtennisspieler vor Probleme. Mayuka Taira, Profispielerin und Teilnehmerin an den Tests, erklärt:

„Es ist praktisch unmöglich zu erkennen, welche Schläge der Roboter nicht mag oder wo seine Schwächen liegen. Das macht ihn zu einem extrem schwierigen Gegner.“

Trotzdem sieht Dürr menschliche Profis noch im Vorteil – zumindest vorerst.

„Spitzenathleten sind sehr gut darin, sich an Gegner anzupassen und Schwächen zu finden. Das ist eine Fähigkeit, die Roboter derzeit noch nicht in gleichem Maße beherrschen.“

Die Entwicklung unterstreicht, wie weit die KI-gestützte Robotik bereits fortgeschritten ist – und welche disruptiven Auswirkungen sie auf Sport, Industrie und Alltag haben könnte.

Quelle: Futurism