Für Verlage ist eine Beobachtung zur KI-Suche besonders relevant: Nutzer, die über KI-Portale auf Inhalte zugreifen, sind oft zielgerichteter als Besucher klassischer Suchmaschinen. Das klingt zunächst positiv – schließlich generiert KI zwar weniger Traffic, aber die verbleibenden Nutzer zeigen eine höhere Bereitschaft zur Interaktion und könnten zu treuen Lesern werden. Doch diese Annahme greift zu kurz.

Die Realität hinter der KI-Suche

Die Nutzer in KI-Suchen sind keine homogene Gruppe, die sich einfach durch gezielte Inhalte ansprechen lässt. Vielmehr verfolgen sie unterschiedliche Absichten, die sich sogar während einer einzigen KI-Unterhaltung ändern können. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht nur darin, Klicks zu generieren, sondern den gesamten Rechercheprozess der Nutzer zu verstehen – bevor sie überhaupt auf einer Website landen.

Wie die Nutzerfunnel heute aussehen

Eine aktuelle Studie von Scrunch, einem Unternehmen für KI-Suchanalysen, liefert wertvolle Einblicke in das Verhalten von Nutzern in KI-Umgebungen. Obwohl die Studie ursprünglich auf Marken ausgerichtet ist, die Produkte wie GLP-1-Medikamente wie Ozempic bewerben, lassen sich die Erkenntnisse auf Verlage übertragen. Die Studie unterteilt Nutzer in verschiedene Kategorien basierend auf ihrer Absicht:

  • Wissenssuchende: Neugierige Nutzer, die sich noch nicht festgelegt haben.
  • Evaluierer: Nutzer, die verschiedene Optionen vergleichen.
  • Zugangsinteressierte: Nutzer, die bereit sind zu kaufen oder eine Handlung auszuführen.
  • Post-Entscheidungs-Nutzer: Nutzer, die bereits eine Entscheidung getroffen haben und Unterstützung benötigen.

Jede Gruppe hat eine unterschiedliche Conversion-Wahrscheinlichkeit und neigt dazu, in andere Kategorien überzugehen. Während die Gruppe der Zugangsinteressierten (9 % der Nutzer) die höchste Conversion-Rate aufweist, bietet die größere Gruppe der Evaluierer (20 %) ein höheres aggregiertes Potenzial.

Die Zielgruppe innerhalb der Zielgruppe

Die genauen Kategorien sind nicht universell übertragbar, aber die Grundidee lässt sich auf Verlage übertragen. Hier eine angepasste Taxonomie für Medienhäuser:

1. Orientierungsleser

Diese Nutzer sind neu in einem Thema oder möchten sich über die neuesten Entwicklungen informieren. Sie suchen nach grundlegenden Informationen oder einem Überblick über ein Thema.

2. Evaluationsleser

Diese Nutzer gehen tiefer in die Materie. Sie verlangen gezielt Analysen, verschiedene Perspektiven oder vertiefende Inhalte zu einem Thema – und das alles innerhalb einer KI-Umgebung.

3. Handlungsorientierte Leser

Diese Nutzer haben bereits eine klare Vorstellung davon, was sie tun möchten, und suchen nach konkreten Handlungsanweisungen oder Orten, an denen sie aktiv werden können.

4. Unterstützungsleser

Diese Gruppe hat bereits eine Handlung vollzogen und benötigt nun kontinuierliche Unterstützung oder weitere Informationen zu ihrem Interessengebiet.

Warum diese Unterscheidung entscheidend ist

Verlage, die die unterschiedlichen Absichten ihrer Nutzer verstehen, können gezielter Inhalte anbieten und so die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Leser zu treuen Abonnenten werden. Während die Gruppe der handlungsorientierten Leser direkt zu Conversions führt, bieten die anderen Gruppen langfristige Chancen für Engagement und Markenbindung.

„KI-Suchen erfordern ein Umdenken im Content-Marketing. Es geht nicht mehr nur darum, Traffic zu generieren, sondern darum, die richtigen Nutzer mit den passenden Inhalten zum richtigen Zeitpunkt zu erreichen.“

Fazit: Anpassung ist der Schlüssel zum Erfolg

Die KI-Suche verändert die Art und Weise, wie Nutzer Inhalte konsumieren. Verlage müssen ihre Strategien anpassen, um die unterschiedlichen Absichten ihrer Zielgruppen zu erkennen und gezielt anzusprechen. Nur so können sie das volle Potenzial der KI-generierten Nutzer ausschöpfen und langfristige Leserbindung aufbauen.