Seit Präsident Donald Trump im Amt ist, hat die US-Börsenaufsicht SEC den Zugang zum offiziellen Meldesystem EDGAR für kleine und aktivistische Investoren massiv eingeschränkt. Jetzt schlagen diese zurück: Mit der neuen Plattform Proxy Open Exchange (POE) schaffen sie eine eigene Infrastruktur, um weiterhin öffentlich Stellungnahmen zu Unternehmensentscheidungen abgeben zu können.

Warum die SEC die Regeln verschärfte

Die SEC begründete die Einschränkung damit, die staatliche Regulierung zu vereinfachen und die hohe Anzahl an Anfragen zu reduzieren. „Unternehmen hatten sich über die Verwirrung in ihrer Investorenbasis durch missbräuchliche Nutzung beschwert“, erklärte ein Sprecher der Behörde. Investoren könnten ihre Anliegen weiterhin über andere Kanäle wie Pressemitteilungen, E-Mails oder soziale Medien kommunizieren. Kritiker sehen darin jedoch einen gezielten Versuch, lästige Stimmen zum Schweigen zu bringen.

POE als Gegenentwurf zu EDGAR

Die von der Organisation As You Sow initiierte Plattform POE bietet eine offene Alternative, auf der Investoren ihre „Exempt Solicitations“ – also Stellungnahmen zu Unternehmensentscheidungen – veröffentlichen können. Innerhalb einer Woche gingen bereits 63 Einreichungen ein, während EDGAR im gesamten Jahr 2026 nur 39 solcher Dokumente verzeichnet. Andrew Behar, CEO von As You Sow, betont: „Ein freier Markt erfordert Kommunikation. Wenn sie uns EDGAR wegnehmen, geben wir ihnen POE.“

POE orientiert sich bewusst am Aufbau von EDGAR und nutzt sogar dieselben Identifikationscodes für Unternehmen und Investoren. Die Plattform prüft zwar auf formale Fehler, filtert aber keine Inhalte – sie steht damit allen politischen und wirtschaftlichen Positionen offen. Tim Smith, Senior Policy Advisor des Interfaith Center on Corporate Responsibility, lobt den Ansatz: „POE ist ein mutiger Versuch, eine große öffentliche Plattform zu schaffen, auf der alle ihre Anliegen einbringen können – sei es ein Klimainvestor oder ein konservativer Aktionär, der DEI-Maßnahmen infrage stellt.“

Rechtliche Rahmenbedingungen bleiben gleich

Alle Einreichungen auf POE unterliegen denselben Anti-Betrugsregeln, die auch für EDGAR gelten. Jill Fisch, Professorin für Unternehmensrecht, bestätigt: „Die rechtlichen Standards ändern sich nicht – nur der Zugang wird demokratischer.“

Weitere Initiativen gegen die SEC-Politik

POE ist nicht die einzige Gegenbewegung. Auch das Interfaith Center veröffentlicht mittlerweile Exempt Solicitations und Proxy-Memos auf seiner Website. Dennoch gilt POE als bisher umfassendste Lösung, um die Lücke zu füllen, die die SEC hinterlassen hat. Die Plattform könnte zum Vorbild für ähnliche Projekte werden – besonders in einem politischen Umfeld, in dem Transparenz und Meinungsfreiheit zunehmend unter Druck geraten.