Ein riskantes Wettsystem mit astronomischen Kosten
Krypto-Trader haben in den vergangenen Tagen horrende Gebühren in Höhe von bis zu 8.700 % pro Jahr gezahlt, um auf eine gehebelten Wette auf die Bewertung des KI-Unternehmens Anthropic zu setzen. Die Kosten beliefen sich teilweise auf 1 % pro Stunde – ein Preis, der selbst bei einer angenommenen Billionen-Bewertung des Unternehmens kaum zu rechtfertigen ist.
Zum Vergleich: Die wertvollste börsennotierte Aktiengesellschaft der Welt, Nvidia, hat eine Marktkapitalisierung von 5,2 Billionen US-Dollar. Die Wette auf Anthropic basierte jedoch auf einem synthetischen Derivat, das keine echten Unternehmensanteile liefert. Stattdessen nutzten Händler ein komplexes System aus Krypto-Tokens, undurchsichtigen Vertragsbedingungen und einer vereinfachten Handelsplattform, die die Risiken verschleierte.
„Wenn du dich schon dumm fühlst, denk daran: Leute zahlen 8.700 % an Gebühren, nur um vor dem Börsengang auf Anthropic mit einer Billionen-Bewertung zu wetten.“
Warum Shortseller weniger zahlen als Long-Händler
Normalerweise zahlen Shortseller ihren Brokern Gebühren für das Ausleihen von Aktien, in der Hoffnung, diese später günstiger zurückkaufen zu können. Im Krypto-Bereich war es jedoch noch teurer, auf steigende Kurse von Anthropic zu wetten: Die Gebühren überstiegen sogar die Kosten für Short-Positionen am Wochenende.
Die Handelsplattform Hyperliquid bietet ein USDH-denominiertes Derivat auf Anthropic an, das auf einer Schätzung des Unternehmenswerts von 7,5 Millionen US-Dollar basiert. Doch die Details dieses Vertrags sind für die meisten Händler kaum nachvollziehbar – wer die vollständigen Nutzungsbedingungen nicht liest, handelt möglicherweise ohne das volle Verständnis der Risiken.
Stabilecoins mit instabilen Kursen und undurchsichtige Bewertungen
USDH, der von Hyperliquid verwendete „stabile“ Coin, schwankte in den letzten zwölf Monaten zwischen 0,72 und 1,11 US-Dollar. Zudem basiert die Bewertung von Anthropic auf Schätzungen des Unternehmens Notice, das keine Echtzeit-Daten liefern kann. Das gesamte System hängt von zwei proprietären Altcoins und zahlreichen externen Dienstleistern ab – ein hochriskantes Konstrukt.
Trotz dieser Risiken zahlten Händler bis zu 1 % pro Stunde für eine 3-fach gehebelten Long-Position auf Anthropics private Bewertung. In den letzten zwei Tagen lag der Vertragspreis häufig über dem von Notice angegebenen Referenzwert, was dazu führte, dass Long-Händler stündlich Funding-Raten an Shortseller zahlen mussten. Diese Dynamik machte das Shorten von Anthropic zeitweise zu einer lukrativen Einkommensstrategie.
Gebühren-Caps von bis zu 4 % pro Stunde
Hyperliquid berechnet die Funding-Raten stündlich und begrenzt sie nicht bei 1 %, sondern bei 4 % pro Stunde. Am vergangenen Wochenende überschritten die Raten sogar 1,5 % – was annualisiert in den fünfstelligen Prozentbereich führt. Über einen Zeitraum von 48 Stunden zahlten Long-Händler Short-Positionen allein durch Funding-Gebühren mehr als 15 % ihrer Positionsgröße.
Ein Beispiel: Ein Händler mit einer 10.000-US-Dollar-Long-Position auf Anthropic hätte innerhalb von zwei Tagen 1.500 US-Dollar an Short-Händler gezahlt – selbst wenn sich der Kurs von Anthropic nicht verändert hätte. Die Risikohinweise zu diesen Verlusten sind nur auf externen Seiten zu finden, nicht auf der Hauptplattform.
Im Kern treibt die Differenz zwischen dem Vertragspreis auf Hyperliquid und dem Notice-Referenzwert die Funding-Raten der Ventuals-Verträge an. Während Notice den Wert von Anthropic auf etwa 934 US-Dollar schätzte, handelten die Ventuals-Händler auf Hyperliquid zu deutlich höheren Kursen.