Als 1979 die sandinistischen Revolutionäre in Nicaragua die Diktatur der Somoza-Familie stürzten, feierten Teile der amerikanischen Linken den neuen Machthaber Daniel Ortega. Trotz der Unterstützung der USA für die Contra-Rebellen pilgerten progressive Aktivisten in das zentralamerikanische Land, um das vermeintliche sozialistische Paradies zu bewundern. „Die amerikanische Linke hat mittlerweile eine regelrechte Delegationsindustrie nach Nicaragua aufgebaut“, schrieb die Christian Science Monitor 1984. Mehr als 2.500 Amerikaner reisten allein im Vorjahr in das Land, um dort zu arbeiten oder sich von den Errungenschaften der Revolution überzeugen zu lassen.
Doch hinter der Fassade des „sozialistischen Fortschritts“ verbarg sich ein autoritäres Regime, das sich an der kubanischen Diktatur orientierte. Eine Parallele, die heute frappierend an die Bewunderung erinnert, die Teile der amerikanischen Rechten Viktor Orbán entgegenbringen. Der ungarische Premier, der 16 Jahre lang regierte, galt als Ikone der „illiberalen Demokratie“ – ein Konzept, das nichts mit moderner Liberalität zu tun hat, sondern mit der Abschaffung klassischer Freiheitsrechte zugunsten einer autoritären Herrschaft. Orbán, der eher einem übergewichtigen Politbüro-Mitglied der Sowjetära ähnelt als einem charismatischen Revolutionär, war das autoritäre Vorbild der US-Rechten.
Doch nun hat das ungarische Volk Orbán und seine Fidesz-Partei in der Wahl deutlich abgestraft – trotz der Unterstützung durch Ex-Präsident Donald Trump. Die Reaktionen der US-amerikanischen MAGA-Anhänger fielen entsprechend verzweifelt aus. Senator Mitch McConnell (Republikaner, Kentucky) kommentierte in einem scharfen Fox News-Beitrag: „Die ungarische Politik übt in bestimmten Kreisen der amerikanischen Rechten eine fast schon obsessive Faszination aus.“
Doch dieses Bild von Ungarn als „Oase des Traditionalismus in einem dekadenten Europa“ sei, so McConnell, eine reine Illusion. Tatsächlich sei Ungarn innerhalb der EU ein wirtschaftlicher und politischer Problemfall: kaum Wachstum, schwindende Freiheitsrechte und eine grassierende Korruption, die einige Ungarn bereits als „industriellen Ausmaß“ bezeichnen. Selbst wenn US-Nationalisten Orbáns autoritäre Methoden, Vetternwirtschaft und Einschränkungen der Meinungsfreiheit als Preis für ihre angestrebte „soziale Utopie“ akzeptieren würden, warnt McConnell vor Orbáns Nähe zu Autokraten wie Putin, Xi und den iranischen Machthabern.
Die Reaktion der US-Rechten auf McConnells Kritik war bezeichnend: Kevin Roberts, Präsident der Heritage Foundation, twitterte empört: „Ein siebenmal wiedergewählter Senator feiert Ungarns Status als Vasallenstaat der EU.“ Besser also, so Roberts‘ implizite Botschaft, als ein Vasall Russlands zu sein. Doch genau diese Haltung zeigt, wie sehr sich die US-Rechte von demokratischen Werten entfernt hat.
Der neue ungarische Premierminister Péter Magyar wirft Orbán vor, Steuergelder für die US-Konservativenkonferenz CPAC zweckentfremdet zu haben. Bei der Veranstaltung in Budapest handelte es sich um eine hochkarätig besetzte Konferenz mit US-Politikern wie dem ehemaligen Präsidenten Trump. Magyars Ankündigung, diese staatlichen Subventionen zu stoppen, unterstreicht den Wandel in der ungarischen Politik – und die wachsende Distanz zu Orbáns autoritärem Erbe.