Im November verfolgte ich die mündliche Verhandlung im Zollfall vor dem Supreme Court. Meine Analyse des Falls veröffentlichte ich in einem ausführlichen Beitrag. Meine Prognose zur Abstimmung erwies sich als falsch: Trump erreichte weder fünf noch vier Stimmen. Doch die Auseinandersetzung mit den Argumenten der Anwälte blieb aufschlussreich – insbesondere mit Blick auf Neal Katyals Performance.
Mehrere Richter zeigten sich skeptisch und sogar frustriert von Katyals Vortrag. Er wirkte zwar professionell, aber steif. Oft wirkten seine Antworten wie einstudiert und gingen nicht auf die gestellten Fragen ein. Zudem schien er die Stimmung im Saal falsch einzuschätzen und trat mit übertriebener Zuversicht auf, nachdem der Generalanwalt sein Plädoyer beendet hatte.
Katyals Schwierigkeiten wurden besonders deutlich, als Justice Gorsuch ihn zur indischen Handelsklausel befragte. Katyal antwortete: "Ich weiß nicht, ob ich dazu eine Position habe. Das könnte zu weit von meiner Expertise entfernt sein…" – eine Reaktion, die Gorsuch mit "Nun, Sie beantworten meine Frage nicht, Herr Katyal" zurückwies. Später räumte Katyal ein, eine Frage von Justice Barrett nicht verstanden zu haben und bat um Wiederholung. Als er schließlich zugab, etwas nicht zuzugeben, reagierte Barrett mit sarkastischem "Okay".
Experten wie Jason Willick hatten bereits vor der Verhandlung gefordert, dass Michael McConnell – ein konservativer Verfassungsrechtler – den Fall vertreten sollte. McConnell hätte als ehemaliger Kollege von Chief Justice Roberts, Gorsuch und Barrett bessere Chancen gehabt, die Richter zu überzeugen. Stattdessen wurde Katyal, ein als liberal geltender Anwalt, mit der Aufgabe betraut – und lieferte schwache Argumente, etwa zur Non-Delegation-Doktrin.
Justice Alito kommentierte dies mit beißendem Spott: "Interessant, dass Sie das Non-Delegation-Argument vorbringen, Herr Katyal. Ich frage mich, ob Sie jemals dachten, Ihr Vermächtnis als Verfassungsanwalt würde darin bestehen, der Mann zu sein, der dieses Argument wiederbelebt." Selbst Justice Kagan, Katyals ehemalige Chefin, wies darauf hin, dass eines seiner Argumente "gegen ihn spricht".
Fazit: Katyals Auftritt war weder überzeugend noch strategisch klug. Hätte die Regierung auf einen Anwalt wie McConnell gesetzt, wäre das Urteil möglicherweise anders ausgefallen. Doch trotz aller Kritik gewann seine Seite – und die Frage bleibt: Wer trägt die Verantwortung für diese strategische Fehlentscheidung?