Die nächste Netflix-Session auf dem Smartphone könnte sich anfühlen wie ein Besuch auf TikTok oder Instagram. Das ist kein Zufall: Ab dem 29. April startet der Streamingdienst die größte Mobile-Redesign seit Jahren – mit einem klaren Fokus auf vertikale Videos.

Zunächst wird die neue Benutzeroberfläche in den USA, Großbritannien, Kanada und einigen weiteren Ländern eingeführt. Anschließend soll sie global verfügbar sein. Nach dem Update erhalten Abonnenten Zugriff auf einen neuen „Clips“-Tab, der kurze Trailer, Highlights und Making-ofs aus Netflix-Serien, Filmen und Podcasts anzeigt. Alle Inhalte sind für schnelles, unterwegs stattfindendes Anschauen optimiert und werden in einem endlosen Scroll-Feed präsentiert – ähnlich wie bei sozialen Medien.

Warum vertikale Videos? Netflix kämpft um die Aufmerksamkeit der Nutzer

Der Schritt ist eine klare Reaktion auf den Wandel im Konsumverhalten: Immer mehr Zuschauer schauen Videos auf dem Smartphone, und Plattformen wie YouTube oder TikTok dominieren diesen Markt. YouTube allein beansprucht mittlerweile fast 13 % der gesamten TV-Nutzungszeit. Netflix will diesem Trend begegnen, indem es die Nutzer dort abholt, wo sie ohnehin schon Zeit verbringen: auf dem Handy.

Vertikale Videos stehen dabei nicht im Mittelpunkt – zumindest nicht als Selbstzweck. Während Konkurrenten wie Quibi mit komplett neuen Formaten scheiterten, setzt Netflix auf Inhaltsentdeckung. Nutzer können Clips entdecken, die ihnen gefallen, direkt zur Watchlist hinzufügen oder das Smartphone drehen und sofort mit dem Anschauen beginnen. Trotz der Anpassung bleibt das Kerngeschäft von Netflix langformatige Inhalte, die sich nicht immer einfach auf kleine Bildschirme übertragen lassen.

„Professionelle TV- und Filmproduktionen machen historisch gesehen nur einen kleinen Teil der mobilen Nutzung aus.“
— Ted Sarandos, Co-CEO von Netflix

Podcasts als Schlüssel zur mobilen Nutzerbindung

Ein weiterer Baustein der neuen Strategie: Podcasts. In den letzten Monaten hat Netflix Partnerschaften mit Unternehmen wie Spotify, Barstool Sports und iHeartMedia geschlossen, um sein Podcast-Angebot auszubauen. Beliebte Formate wie The Breakfast Club oder The Bill Simmons Show werden nun auch als Video-Episoden angeboten. Auszüge daraus finden sich prominent in den Clips-Feeds wieder.

Die personalisierten Feeds basieren auf dem bisherigen Nutzungsverhalten und den Interaktionen mit den Clips. In Zukunft sollen Nutzer Clips auch nach Kategorien durchstöbern können – etwa durch endlose Feeds mit romantischen Szenen aus Serien und Filmen.

Netflix expandiert über Serien und Filme hinaus

Podcasts sind nur eine von mehreren Erweiterungen, mit denen Netflix sein Angebot diversifiziert. In den letzten Jahren hat der Dienst auch Live-Programme und Sportübertragungen in sein Portfolio aufgenommen, um Nutzer langfristig zu binden. Die neue Mobile-Oberfläche schafft zudem Raum für weitere Innovationen, um im harten Wettbewerb mit YouTube, TikTok und Co. zu bestehen.