Die wöchentliche Kolumne Short Circuit des Institute for Justice (IJ) fasst aktuelle Urteile der US-Berufungsgerichte zusammen. In dieser Ausgabe geht es unter anderem um einen Fall, der möglicherweise bald vor dem Supreme Court verhandelt wird.

Sun Valley Orchards vor dem Supreme Court?

Das US-Arbeitsministerium (DOL) hatte die Apfelplantage Sun Valley Orchards 2015 wegen angeblicher Verstöße mit Strafen belegt. Der Fall landete vor dem Dritten Berufungsgericht, das 2023 einstimmig entschied, dass die internen Gerichte des DOL verfassungswidrig sind. Nun hat der Supreme Court die Annahme des Falls geprüft – eine Entscheidung könnte bundesweit Auswirkungen haben.

Whistleblower-Belohnungen und SEC-Regeln

Ein Whistleblower informierte die Medien über Missstände in einem großen Unternehmen. Die US-Börsenaufsicht SEC leitete daraufhin eine Untersuchung ein und forderte vom Whistleblower weitere Informationen. Dieser reichte später einen Antrag auf eine Belohnung ein, da er „freiwillig“ und „ursprüngliche Informationen“ geliefert habe. Die SEC lehnte ab, weil die Angaben nicht „freiwillig“ seien – schließlich habe sie nach den Medienberichten nachgefragt. Das Berufungsgericht des D.C. Circuit widersprach: Die SEC hätte auf die Voraussetzung verzichten können und hätte dies begründen müssen.

Diskriminierung durch Stromzähler?

Ein Mann aus Maine, der an Lymphdrüsenkrebs leidet, verklagte seinen Stromversorger. Er argumentierte, dass die Gebühr für einen analogen Stromzähler – statt eines Smart Meters – eine Diskriminierung aufgrund seiner Behinderung darstelle. Smart Meter würden schließlich Funkwellen aussenden, die sein Krebsleiden verschlimmern könnten. Das Erste Berufungsgericht zeigte sich skeptisch, was den Kausalzusammenhang angeht.

Polizeigewalt und Immunität

Fall 1: Tödlicher Schuss auf flüchtigen Teenager

Während der frühen COVID-19-Lockdowns beobachtete ein Polizist in Columbia, South Carolina, einen Teenager, der auf einem Gehweg spazierte. Als der Polizist ihn ansprach, floh der Jugendliche. Der Beamte feuerte neunmal – ein Schuss traf den Teenager tödlich in die Stirn. Das Vierte Berufungsgericht urteilte: Der Einsatz tödlicher Gewalt war unverhältnismäßig, da keine unmittelbare Gefahr bestand. Der Polizist kann sich nicht auf Amtsimmunität berufen.

Fall 2: Angriff durch Polizeihund

Ein Mann in Chesterfield County, Virginia, erlitt einen medizinischen Notfall und brach in ein Gebrauchtwagenlager ein. Er rollte sich in Embryonalstellung zusammen, als die Polizei eintraf. Ein Beamter ließ seinen Hund „Kona“ auf den Mann hetzen, der daraufhin schwere Verletzungen an seinem Beinprothesen – und am Körper – erlitt. Der Beamte behauptete, er habe den Mann gewarnt. Das erstinstanzliche Gericht gewährte Immunität. Das Vierte Berufungsgericht hob das Urteil auf und fragte: Was bedeutet „Embryonalstellung“ für Sie? Die abweichende Meinung kritisierte, dass sich das Urteil auf einen anderen Fall mit einem Baseballschläger bezog.

Weitere Themen der Woche

  • Heimbrauen und staatliche Kontrolle: Diskussion über die Macht der Regierung, die private Herstellung von Alkohol zu regulieren.
  • Impfpflicht für virtuelle Schulen: Rechtliche Auseinandersetzungen um Impfvorschriften in Online-Schulen.
  • Mathematik und Recht: Ein abweichender Richter im Vierten Berufungsgericht verglich die Trefferwahrscheinlichkeit von Freiwürfen des Basketballstars Steph Curry mit einer vorläufigen Aussetzungsentscheidung – und bezeichnete die Berechnung als „göttlich inspiriert“.
Quelle: Reason