Der Abschied von The Ankler von Substack ist mehr als nur ein Plattformwechsel: Er offenbart tiefe Unzufriedenheit unter Medienmarken, die ebenfalls über einen Ausstieg nachdenken. Wie Oliver Darcy in seinem Status-Newsletter berichtet, verlässt das Hollywood-Magazin Substack zugunsten von Passport, einer Plattform des Tech-Journalisten Ben Thompson.
Janice Min, CEO von The Ankler, betont, dass es sich nicht um eine Ablehnung von Substack handle, sondern um eine natürliche Weiterentwicklung: „Substack ist eine hervorragende Startrampe, aber für das, was wir heute sind, war die Plattform nicht mehr geeignet.“ Mit dem Wachstum zu einem umfassenden Medienunternehmen seien höhere Anforderungen an Flexibilität und Kontrolle über Produkte, Einnahmen und Zielgruppenbeziehungen entstanden – Anforderungen, die Substack nicht mehr erfüllen konnte.
Unzufriedenheit bei Top-Verlagen
Diese Haltung teilen offenbar auch andere große Publisher auf Substack. Mehrere hochrangige Medienmarken äußern intern ihre Frustration und suchen nach Alternativen. Dazu gehören The Bulwark, Zeteo und Feed Me – allesamt wichtige Einnahmequellen in den Bereichen Business und Politik. Besonders stört die Verlage die 10-prozentige Provision auf Abonnements, die bei hohen Umsätzen schnell zu sechsstelligen Beträgen führt. Wie Darcy schreibt, können diese Gebühren „hunderttausende Dollar, wenn nicht sogar über eine Million pro Jahr“ ausmachen.
Hinzu kommen technische Einschränkungen: Trotz neuer Funktionen wie dem sozialen Feed Notes oder der Entdeckungsfunktion fühlen sich Publisher in einem uniformen Design gefangen. Ein nicht namentlich genannter Verleger bringt es auf den Punkt: „Substack wurde für Einzelkämpfer konzipiert – irgendwann stoßen auch große Marken an die Grenzen der Plattform.“
Wachsende Konkurrenz und neue Modelle
Die Konkurrenz schläft nicht: Plattformen wie beehiiv (die selbst Status hostet), Ghost und Patreon werben gezielt mit niedrigeren Gebühren und mehr Gestaltungsfreiheit. Besonders beehiiv setzt mit seinem Null-Provision-Modell auf Konfrontation mit Substack – ein Konflikt, der sich öffentlich zwischen Substack-Mitgründer Hamish McKenzie und beehiiv-CEO Tyler Denk entzündet hat.
Substack kontert mit dem Argument, dass sein Ökosystem – inklusive Entdeckungsfunktionen und globaler Zahlungsabwicklung – die Gebühren rechtfertigt. Ein nicht namentlich genannter Substack-Sprecher erklärte gegenüber Status, dass die Plattform „rund 30 Prozent der neuen bezahlten Abonnements generiert“ und damit Netzwerkeffekte biete. Eine offizielle Stellungnahme von Substack auf Anfrage blieb aus.
Zukunft der Medien auf Substack ungewiss
Für etablierte Medienmarken mit Ambitionen jenseits von Newslettern wird das Wertversprechen von Substack zunehmend fragwürdig. Darcy zitiert eine wachsende Skepsis, dass einige Publisher „den Großteil des Nutzens aus Substacks Empfehlungssystem bereits ausgeschöpft haben“. Für Hollywood-nahe Marken wie The Ankler ist die Entscheidung besonders dringlich: Sie expandieren in Bereiche wie Events, Podcasts oder Premium-Inhalte – und benötigen mehr Kontrolle über Design, Daten und Einnahmequellen.
„Substack war ein großartiger Launchpad, aber für das, was wir heute sind, war die Plattform nicht mehr geeignet.“
Janice Min, CEO von The Ankler