US-Präsident Donald Trump hat auf Social Media eine ungewöhnliche Idee zur Umbenennung einer Bundesbehörde geteilt. Eine Nutzerin schlug vor, die umstrittene Immigration and Customs Enforcement (ICE) in National Immigration and Customs Enforcement (NICE) umzubenennen. Trump reagierte begeistert und schrieb:
„GREAT IDEA!!! DO IT. President DJT“
Die Idee zielt darauf ab, dass Medien und Öffentlichkeit den neuen Namen täglich verwenden – und damit automatisch positiver über die Behörde sprechen. Doch Experten und Umfragen deuten darauf hin, dass der Plan nach hinten losgehen könnte. Die Zustimmung zu ICE ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Laut einer Umfrage der Universität Massachusetts lehnen mittlerweile fast sechs von zehn Amerikanern die Arbeit der Behörde ab. Eine Fox-News-Umfrage zeigt sogar einen Anstieg der Ablehnung von 41 % im Jahr 2018 auf 58 % heute.
Warum Backronyms in der Politik beliebt – und riskant sind
Die Idee, Behörden oder Gesetze mit einprägsamen Akronymen zu versehen, ist in der US-Politik nicht neu. Besonders im Kongress werden solche „Backronyms“ häufig genutzt, um komplexe Themen in kurze, griffige Formeln zu verpacken. Eine Analyse des Magazins The Atlantic aus dem Jahr 2022 zeigt, dass etwa 10 % aller Gesetzesentwürfe in den letzten zwei Jahren solche rückwärts konstruierten Akronyme enthielten – ein Trend, der seit 2001 stetig zunimmt.
Beispiele für erfolgreiche Backronyms sind der CARES Act (Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security Act) oder der CHIPS and Science Act, die durch ihre eingängigen Namen leichter kommunizierbar wurden. Doch nicht alle Backronyms dienen einem ehrlichen Zweck. Einige verschleiern unpopuläre Maßnahmen hinter scheinbar harmlosen oder patriotischen Formulierungen.
Kritik an Trumps NICE-Plan: Mehr Aufmerksamkeit, mehr Ablehnung
Experten wie Brian Christopher Jones, Dozent an der Universität Liverpool und Forscher zu Akronymen in der Politik, warnen davor, dass die Umbenennung von ICE in NICE die Kritik an der Behörde sogar verstärken könnte.
„Ich frage mich, ob dieses Backronym NICE die Behörde nicht noch mehr Kritik aussetzen würde als zuvor.“
Jones verweist darauf, dass Backronyms zwar als Marketinginstrument dienen können, aber auch gezielt zur Manipulation eingesetzt werden. Beispiele wie der USA PATRIOT Act – offiziell „Uniting and Strengthening America by Providing Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism Act“ – zeigen, wie unpopuläre Gesetze durch suggestive Namen verharmlost werden sollen. Ähnlich verhält es sich mit dem SAVE Act, einem umstrittenen Gesetz zur Wahlrechtsverschärfung.
Trumps Vorstoß könnte somit nicht nur scheitern, sondern die ohnehin schon angespannte Debatte um Einwanderungspolitik weiter anheizen. Ob die Behörde tatsächlich umbenannt wird, bleibt abzuwarten – doch die Reaktionen deuten bereits darauf hin, dass der Plan auf wenig Gegenliebe stoßen wird.