Die Schifffahrt als Klimasünder

Über 90 % des globalen Handels wird per Schiff abgewickelt – von Elektronik über Kleidung bis hin zu Treibstoff. Diese Transportwege haben Waren erschwinglicher gemacht, doch die Schifffahrt selbst ist ein großer Klimasünder: Sie verursacht etwa 3 % der weltweiten CO₂-Emissionen. Der Grund ist der Einsatz von Schweröl, einem hochgiftigen Rückstand aus der Erdölraffination, das Schiffe als Treibstoff nutzen.

Die USA blockieren Klimaschutzpläne der UN

Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) der UN hatte 2023 einen ehrgeizigen Plan beschlossen: Die Schifffahrt sollte bis 2050 klimaneutral werden. Doch die Trump-Administration versuchte, diesen Plan zu torpedieren. Mit Drohungen wie Visarestriktionen, Handelszöllen und Hafengebühren übte sie Druck auf andere Länder aus, um die Unterstützung für die CO₂-Steuer zu unterbinden. Die USA argumentieren, eine solche Steuer würde amerikanische Verbraucher und Unternehmen belasten.

Schwächere Alternativen scheitern

Als Reaktion auf den Widerstand der USA wurden alternative Vorschläge eingebracht, die das ursprüngliche Ziel verwässerten. Länder wie Japan, Liberia, Argentinien und Panama präsentierten Pläne ohne verbindliche CO₂-Bepreisung. Doch auf einer kürzlichen UN-Konferenz in London zeigte sich: Die Mehrheit der Delegierten lehnt diese Kompromisse ab. Stattdessen sprach sich eine knappe Mehrheit erneut für den ursprünglichen Plan aus – eine CO₂-Steuer auf Emissionen oberhalb einer bestimmten Schwelle.

„Es herrschte eine echte Kultur der Zusammenarbeit und des Optimismus.“
Em Fenton, Senior Director bei Opportunity Green

Der Weg zur Klimaneutralität bleibt fragil

Trotz des Fortschritts ist der Plan noch nicht sicher. Gegner der CO₂-Steuer könnten ihn blockieren, indem sie entweder ein Drittel der IMO-Mitgliedstaaten oder eine kleinere Gruppe von Ländern überzeugen, die zusammen die Hälfte der globalen Schiffsflotte kontrollieren. Besonders kritisch: Vier Länder – Liberia, Panama, die Bahamas und die Marshallinseln – registrieren gemeinsam etwa die Hälfte aller Schiffe weltweit. Durch das „Flaggenprinzip“ können Reedereien ihre Schiffe in Ländern registrieren, die wenig Regulierung durchsetzen, ähnlich wie bei Steueroasen.

Die USA isolieren sich

Während andere große Schifffahrtsnationen wie die EU und China den Klimaplan unterstützen, steht die USA allein da. In offiziellen Dokumenten fordert Washington sogar die vollständige Streichung des IMO-Klimarahmenplans. Doch die internationale Gemeinschaft zeigt sich entschlossen: „Die meisten Delegierten arbeiten konstruktiv zusammen“, betont Fenton. Ob der Plan letztlich umgesetzt wird, hängt nun davon ab, ob die USA weitere Länder auf ihre Seite ziehen können – oder ob die Mehrheit der Staaten den Klimaschutz in der Schifffahrt vorantreibt.

Quelle: Grist