Washington – Donald Trump setzt seine Macht über die Republikaner ein, um Vorwahlen zu kontrollieren und die GOP vor den riskanten Midterm-Wahlen zu einen. Sein Ziel: Kandidaten ausschalten, die die Partei schwächen könnten, und stattdessen eigene Favoriten fördern. Hinter dieser Strategie steckt eine klare Rechnung: Sollte es den Republikanern gelingen, ihre Mehrheit im Kongress zu verteidigen, könnte Trumps Einfluss entscheidend sein.

Trumps Rekord: 95 Prozent der GOP-Kandidaten unterstützt

Trump hat in dieser Wahlperiode mehr Kandidaten in Vorwahlen unterstützt als jeder andere Präsident zuvor. Die Zahlen sprechen für sich:

  • Er unterstützte 95 Prozent der 217 Mitglieder des republikanischen Repräsentantenhaus, darunter 43 Kandidaten in den 60 umkämpftesten Rennen laut Cook Political Report.
  • In fast zwei Dritteln der Senatsvorwahlen setzte er sich für republikanische Bewerber ein.

Während die Demokraten trotz teurer und zermürbender Vorwahlen weiterhin als Favoriten gelten, zeigt sich: Trumps Eingriffe könnten die republikanischen Kandidaten stärken – und die Demokraten schwächen.

Harte Taktiken: Trump setzt auf Druck und Belohnungen

Trumps Methoden sind unmissverständlich. Ein Beispiel aus Kentucky: Der Ex-Präsident forderte den Senatskandidaten Nate Morris zum Rückzug auf – zugunsten von Rep. Andy Barr. Morris, ein Freund von Donald Trump Jr., hatte zuvor die Unterstützung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk erhalten. Nach seinem Rückzug kündigte Trump an, Morris eine Botschafterposition zu übertragen.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich im März in Colorado: Trump zog seine Unterstützung für Hope Scheppelman zurück, die gegen den republikanischen Amtsinhaber Jeff Hurd antrat. Stattdessen setzte er sich für Hurd ein – und Scheppelman wurde später in die Regierung berufen.

Nicht alle waren begeistert. In Michigan drängte Trump den Abgeordneten Bill Huizenga, auf eine Senatskandidatur gegen seinen Parteikollegen Mike Rogers zu verzichten. Huizenga gab nach – trotz seiner Unzufriedenheit.

Strategie mit Risiko: Warum Trump früh eingriff

Trump entschied sich bereits kurz nach Amtsantritt 2021, aktiv in Vorwahlen einzugreifen. Sein Kalkül: Schwache Amtsinhaber früh unterstützen, um sie vor innerparteilichen Herausforderungen zu schützen. Doch der frühe Einsatz hatte einen Haken: Trump gab damit eine wichtige Verhandlungsmasse auf – die Unterstützung von Abgeordneten für seine Gesetzesvorhaben.

„Der Präsident und sein Team verdienen mehr Anerkennung dafür, wie sie das Schlachtfeld prägen“, sagt Chris Winkelman, Präsident des konservativen Congressional Leadership Fund. „Ihr frühes Engagement ermöglicht es unseren Kandidaten in den härtesten Kämpfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Demokraten zu besiegen.“

Kritik von MAGA-Anhängern: „Das ist nicht unser Trump“

Doch Trumps Fokus auf wählbare Kandidaten stößt nicht überall auf Zustimmung. Konservative Aktivisten werfen ihm vor, die Prinzipien der MAGA-Bewegung zu verraten:

„Genau deshalb heißt es, MAGA sei tot“, schrieb ein Aktivist auf X nach Trumps Unterstützung für Andy Barr. „Alles, wogegen MAGA steht, unterstützt Andy Barr.“

Trotzdem gibt es Ausnahmen: In einigen Rennen, etwa der Senatswahl in Texas, hielt sich Trump zurück – trotz des Wettbewerbs zwischen Sen. John Cornyn und dem Attorney General des Bundesstaates.

Fazit: Trumps Einfluss könnte die Midterms entscheiden

Ob Trumps Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Fest steht: Sein Eingreifen in die Vorwahlen zeigt, wie sehr er die Republikaner nach seinen Vorstellungen formen will. Sollte die GOP ihre Mehrheit verteidigen, könnte dies als Beweis für seine Macht gewertet werden – und als Warnung an künftige Herausforderer.

Quelle: Axios