US-Bankenverbände bremsen Stablecoin-Regulierung

Die American Bankers Association (ABA) und drei weitere Bankenverbände fordern die US-Regulierungsbehörden auf, die Umsetzung zentraler Teile des GENIUS Act zu verzögern. In einem Schreiben vom 22. April baten sie das Finanzministerium und die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), die öffentlichen Kommentarfristen für drei geplante Regelungen zu verschieben.

Die Verbände verlangen, dass die Fristen erst 60 Tage nach Abschluss des Regelwerks der Office of the Comptroller of the Currency (OCC) beginnen. Diese Verzögerungstaktik könnte die Inkraftsetzung des GENIUS Act um mehrere Monate nach hinten schieben.

Hintergrund: GENIUS Act und Stablecoin-Regulierung

Der GENIUS Act, im vergangenen Jahr verabschiedet, legt Grundlagen für die Ausgabe von Stablecoins fest. Allerdings müssen noch administrative Regelungen finalisiert werden, bevor das Gesetz vollumfänglich greift. Die OCC fungiert dabei als Hauptregulierungsbehörde für nicht-bankliche Stablecoin-Emittenten.

Die Bankenverbände argumentieren, dass die drei parallel laufenden Bundesvorschläge eng mit dem OCC-Rahmenwerk verknüpft sind. Dazu gehören:

  • Eine Regelung des Finanzministeriums zur Prüfung staatlicher Regulierungsregime im Vergleich zu Bundesstandards,
  • Eine FDIC-Regelung zu Anforderungen für bankenregulierte Emittenten und
  • Eine gemeinsame Richtlinie von FinCEN und OFAC zu Geldwäscheprävention und Sanktionen.

Kritik an fragmentierter Kommentarfrist

In ihrem Schreiben betonen die Verbände, dass eine gestaffelte Kommentarfrist die Konsistenz der Regulierung untergraben würde. Eine bessere Abstimmung sei nur möglich, wenn alle Stakeholder die Entwürfe im Kontext eines finalisierten OCC-Rahmenwerks bewerten könnten.

„Ein fragmentierter Prozess würde die regulatorische Klarheit gefährden und die Effektivität der öffentlichen Rückmeldungen mindern.“
– Gemeinsame Stellungnahme der Bankenverbände

Praktische Folgen: Verzögerung der Stablecoin-Infrastruktur

Die beantragte Verschiebung hätte konkrete Auswirkungen: Der GENIUS Act tritt 120 Tage nach Veröffentlichung der finalen Regelungen oder 18 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes in Kraft. Durch die Anbindung an den OCC-Zeitplan versuchen die Banken, die Einführung regulierter Stablecoin-Infrastrukturen zu bremsen.

Parallelkampf: Begrenzung von Stablecoin-Belohnungen

Während die Banken die Umsetzung des GENIUS Act verzögern wollen, drängen sie gleichzeitig Senatoren, die Belohnungen für Stablecoin-Halter im Rahmen des Digital Asset Market Clarity Act (CLARITY) einzuschränken. Dies zeigt eine koordinierte Strategie, um den Einfluss digitaler Vermögenswerte auf das traditionelle Bankensystem zu begrenzen.

Im Kern geht es um ein wirtschaftliches Machtgefüge: Kommerzielle Banken sehen Stablecoins als Bedrohung für ihre Einlagenbasis. Würden Stablecoins als zinsbringende Alternative zu Bankguthaben akzeptiert, könnte dies Kapital aus dem traditionellen Bankensystem abziehen und die kreditfinanzierte Wirtschaft des Landes destabilisieren.