Am 2. Mai 1927 fällte der US-Supreme Court ein Urteil mit weitreichenden und bis heute umstrittenen Folgen: Im Fall Buck v. Bell bestätigte das höchste Gericht die Zwangssterilisation von Carrie Buck, einer jungen Frau aus Virginia. Das Urteil wurde mit einer Mehrheit von 8 zu 1 Stimmen gefällt und gilt als eines der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Rechtsgeschichte.
Der Fall drehte sich um die Frage, ob der Staat Menschen mit angeblichen geistigen Behinderungen oder Erbkrankheiten zwangsweise sterilisieren darf. Carrie Buck, die als „schwachsinnig“ eingestuft wurde, war das erste Opfer dieses Gesetzes. Ihr Fall wurde zum Präzedenzfall für ähnliche Maßnahmen in anderen Bundesstaaten.
Richter Oliver Wendell Holmes Jr., der das Urteil verfasste, begründete seine Entscheidung mit den Worten:
„Drei Generationen von Schwachsinnigen sind genug.“Diese Aussage unterstreicht die damals weit verbreitete, aber wissenschaftlich widerlegte Vorstellung von „Rassenhygiene“ und Eugenik.
Das Urteil blieb bis heute in Kraft und wurde nie offiziell aufgehoben. Es wird jedoch als moralisch verwerflich und rechtlich fragwürdig kritisiert. Experten betonen, dass es ein Symbol für staatlich legitimierte Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen darstellt.
Carrie Buck selbst lebte noch bis 1983 und erlebte die langfristigen Folgen des Urteils. Ihr Fall wirft bis heute Fragen nach Ethik, Menschenrechten und der Verantwortung des Staates auf.