Konflikte meistern statt vermeiden

Konflikte gehören zum Leben, doch nur wenige gehen konstruktiv damit um. Entweder wir unterdrücken sie, bis sie zu Groll führen, oder sie eskalieren und hinterlassen Schäden, die sich oft nicht mehr beheben lassen. Im neuen Buch "Anchored, Aligned and Accountable: A Framework For Transcending B*llshit and Transforming Our Lives and Work" (mit einem Vorwort von Brené Brown) stellt die Leadership-Coachin Aiko Bethea ein Framework vor, das Konflikte in persönliches Wachstum verwandelt.

Ein Framework für mehr Klarheit und Selbstführung

Brené Brown, bekannt für ihre Arbeit zu Themen wie Verletzlichkeit und Führung, traf sich mit Aiko Bethea, um über die Grundpfeiler dieses Frameworks zu sprechen. Brown erklärt:

Dein Framework "Anchored, Aligned and Accountable" hat meine Art zu führen und mit meinem Partner, meinen Kindern, Freunden und Familie umzugehen, grundlegend verändert. Dafür möchte ich dir danken.

Kernwerte: Ein Set fürs ganze Leben

Brown und Bethea arbeiten häufig mit Menschen, die ihre Kernwerte identifizieren möchten. Eine häufige Frage lautet: "Soll ich mich auf meine beruflichen oder privaten Werte konzentrieren?" Beide sind sich einig: Kernwerte gelten für alle Lebensbereiche. Es gibt nur ein Set an Werten, das unser Handeln in Beruf und Privatleben prägt.

Warum wir uns selbst in Schubladen stecken

Bethea erklärt, warum viele Menschen ihre Werte je nach Situation anpassen: "Wir wurden darauf trainiert, uns zu spalten. Zu Hause bin ich eine andere Person als im Job. Ein Streit mit dem Partner hat im Büro nichts zu suchen. Wir passen uns an, um akzeptiert zu werden, erfolgreich zu sein oder nicht als Bedrohung wahrgenommen zu werden. Wir verändern unser Verhalten – sprechen leiser, lachen über Witze, die uns nicht gefallen. Doch diese Anpassungen führen dazu, dass wir uns selbst nicht mehr erkennen. Wir verlieren den Bezug zu unseren wahren Werten und werden instabil, wenn Druck entsteht.

Werte als Anker: Warum Flexibilität gefährlich sein kann

Werte sind der Kompass unseres Handelns. Sie definieren Grenzen, Entscheidungen und unsere innere Motivation. Bethea betont: "Wenn Werte sich je nach Situation ändern, verlieren wir den Halt. Wir suchen dann nach externer Bestätigung, statt uns selbst zu führen. Das ist das Gegenteil von echter Selbstverantwortung.

Intention vs. Impact: Wie bleibe ich authentisch?

Ein zentraler Punkt im Framework ist die Alignment-Frage: Wie passe ich meine Absicht mit der tatsächlichen Wirkung auf andere zusammen? Brown stellt Bethea eine schwierige Frage: "Wenn meine Absicht vernünftig ist, aber die Auswirkungen auf jemanden hart sind – wie finde ich den richtigen Weg, ohne mich zu entschuldigen oder zurückzuweichen?"

Ein Beispiel: Ein Kollege unterbricht mich in Meetings mehrfach. Wie kann ich das Thema respektvoll ansprechen, ohne mich zu rechtfertigen oder übermäßig zu entschuldigen? Bethea antwortet: "Authentizität bedeutet nicht, dass andere sich wohlfühlen müssen. Es geht darum, klar zu kommunizieren, ohne die Verantwortung für die Gefühle anderer zu übernehmen. Selbstführung heißt auch, die Konsequenzen des eigenen Handelns zu tragen – ohne sich dafür zu schämen.

Fazit: Selbstführung statt Selbstaufgabe

Das Framework von Aiko Bethea zeigt, wie wir Konflikte nicht als Bedrohung, sondern als Chance für Wachstum sehen können. Der Schlüssel liegt darin, sich selbst treu zu bleiben – in Beruf und Privatleben. Nur so können wir langfristig stabil und handlungsfähig bleiben.