Als im Frühjahr 2020 die ersten Lockdowns wegen Covid-19 verhängt wurden, erinnerte mich ein Artikel aus dem Jahr 2017 an die eigene Naivität. Damals hatte ich für TIME über die unzureichende Vorbereitung auf eine mögliche Pandemie geschrieben – doch selbst ich hatte nicht mit der globalen Katastrophe gerechnet. Die Parallelen zu heute sind unübersehbar.
Die Weltwirtschaft steht erneut vor einer unsichtbaren Bedrohung: einem möglichen Krieg mit dem Iran und der damit verbundenen Schließung der Straße von Hormuz. Experten warnen vor einer noch größeren wirtschaftlichen Erschütterung als während der Ölkrise 1973.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Internationale Energieagentur (IEA) bezeichnet die aktuelle Lage als die größte Störung der globalen Ölversorgung aller Zeiten. Im März 2024 sank das weltweite Ölangebot um mehr als 10 Millionen Barrel pro Tag – ein Rückgang von 13 Prozent. Zum Vergleich: Die Ölkrise 1973 hatte damals nur 7 Prozent der globalen Versorgung betroffen.
Doch während die Märkte 2020 noch optimistisch blieben, obwohl die ersten Covid-Fälle in Italien auftraten, scheint die Wirtschaft heute ähnlich blind zu sein. Der S&P 500 erreichte am 19. Februar 2020 ein Rekordhoch – nur wenige Tage vor dem ersten großen Covid-Ausbruch in Europa. Eine ähnliche Ignoranz beobachten Analysten heute: Trotz der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten und der drohenden Sperrung der Straße von Hormuz bleiben die Märkte stabil.
Warum wir die Warnsignale ignorieren
Die Gründe für diese kollektive Blindheit sind vielfältig. Einerseits unterschätzen Entscheidungsträger die geopolitischen Risiken, andererseits dominieren kurzfristige wirtschaftliche Interessen die Wahrnehmung. Doch die Geschichte zeigt: Wer Warnsignale ignoriert, zahlt einen hohen Preis.
In den frühen 2000er-Jahren warnte ich vor SARS in Hongkong, der Vogelgrippe in Indonesien und der Schweinegrippe 2009. Doch erst die Pandemie 2020 offenbarte, wie wenig wir aus vergangenen Krisen gelernt hatten. Heute droht eine ähnliche Situation: Die Straße von Hormuz ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Eine Sperrung würde nicht nur die Ölpreise in die Höhe treiben, sondern auch globale Lieferketten zum Erliegen bringen.
Was jetzt zu tun ist
Die Lehren aus der Covid-19-Pandemie sollten uns eine Warnung sein. Regierungen und Unternehmen müssen jetzt handeln, um die wirtschaftlichen Folgen eines Konflikts mit dem Iran abzumildern. Dazu gehören:
- Diversifizierung der Energieversorgung: Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern müssen reduziert werden.
- Strategische Ölreserven: Eine Erhöhung der globalen Reserven könnte Preisschocks abfedern.
- Geopolitische Dialoge: Diplomatie muss Vorrang vor militärischer Eskalation haben.
- Wirtschaftliche Puffer: Unternehmen sollten Liquiditätsreserven aufbauen, um Lieferkettenunterbrechungen zu überstehen.
„Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ – Mark Twain
Die aktuelle Krise ist kein Schicksal, sondern eine Folge von Versäumnissen. Wenn wir die Warnsignale diesmal ernst nehmen, können wir eine globale Katastrophe verhindern – so wie wir es nach Covid-19 hätten tun sollen.