Am 5. September 1975 stand Lynette "Squeaky" Fromme, Mitglied der berüchtigten Manson-Familie, nur wenige Meter von Präsident Gerald Ford entfernt in Sacramento, Kalifornien. Mit einer Pistole in der Hand versuchte sie, ihn zu erschießen – vergeblich. Weniger als drei Wochen später feuerte in San Francisco eine weitere Frau, die Buchhalterin Sara Jane Moore, tatsächlich ihren Schuss ab, verfehlte Ford jedoch und wurde von einem Passanten gestoppt.

Doch was trieb diese Frauen zu solchen Taten? Frommes Biografin erklärte, sie habe keinerlei persönliche Abneigung gegen Ford gehegt. Ihr Motiv: Sie glaubte, er zerstöre die Redwood-Wälder. Moores Beweggründe waren zwar etwas politischer, aber ebenso diffus. Wie die Washington Post in ihrem Nachruf schrieb, war Moore zunächst eine "vorstädtische Republikanerin", später FBI-Informantin und fasziniert von radikalen Aktivisten in San Francisco und deren marxistischer Rhetorik.

In ihrem eigenen Statement vor Gericht bekannte Moore:

‚Ich verstand schließlich und schloss mich denen an, die nur Zerstörung und Gewalt als Mittel des Wandels sehen … und kam zu der Erkenntnis, dass Gewalt manchmal konstruktiv sein kann.‘

Die gescheiterten Attentate auf Ford, einen der politisch am wenigsten polarisierenden US-Präsidenten, bleiben rätselhaft. Konspirationstheoretiker bringen Fords Rolle in der Warren-Kommission mit den Anschlägen in Verbindung. Doch selbst seine mutmaßlichen Attentäterinnen zeigten kaum starke Gefühle für ihn.

Vielmehr spiegeln die Vorfälle möglicherweise die chaotische Zeit der 1970er-Jahre wider. Der Historiker Kevin Starr bezeichnete Kalifornien dieser Dekade als ‚das albernste Jahrzehnt des Jahrhunderts – in Bezug auf seine bedrohliche Seltsamkeit.‘

Wenn Menschen vor scheinbar sinnlosen Gewalttaten stehen, suchen sie nach Erklärungen. Doch Fords zwei fast tödliche Begegnungen mit Attentätern vor 50 Jahren zeigen: Oft bleiben nicht nur die Geschichte, sondern auch die Menschen, die sie verändern wollten, rätselhaft. Das gilt auch für Cole Tomas Allen, den 31-jährigen mutmaßlichen Schützen beim diesjährigen White House Correspondents’ Dinner. Sein Manifest und seine Biografie geben zwar einige Hinweise auf seine Motive, doch eine schlüssige Erklärung für sein Handeln bleiben sie schuldig.

Quelle: Reason