Autonome Fahrzeuge und ihre gefährliche Praxis in Fahrradspuren
Selbstfahrende Autos werden von ihren Herstellern als sicherere Alternative zu menschlichen Fahrern beworben. Die Argumentation ist simpel: Menschen sind unberechenbar, lassen sich leicht ablenken oder reagieren zu spät. Maschinen hingegen handeln präzise, vorausschauend und konsistent – zumindest in der Theorie. Doch die Realität sieht anders aus, wie aktuelle Vorfälle zeigen.
Waymo in San Francisco: Regelmäßige Blockaden von Fahrradspuren
Besonders auffällig ist das Verhalten des autonomen Fahrdienstes Waymo in San Francisco. Wie das Nachrichtenportal Streetsblog berichtet, nutzen Waymo-Fahrzeuge die Fahrradspuren systematisch für Ein- und Ausstiege ihrer Fahrgäste. Diese Praxis ist nicht nur gefährlich, sondern auch illegal – und wird zunehmend dokumentiert.
Zwei Monate vor der Veröffentlichung des Artikels postete ein Nutzer auf Reddit ein Foto, das einen Waymo-Boliden mittig in einer Fahrradspur zeigt. Ein weiterer Vorfall, bereits einige Monate zuvor, zeigt ein autonomes Fahrzeug in Austin, das einen Fahrgast direkt auf einem Radweg absetzt. In diesem Fall parkte das Fahrzeug sogar teilweise auf der Fahrbahn.
Klage gegen Waymo: Radfahrerin stürzt nach Kollision mit zwei autonomen Fahrzeugen
Im Juni letzten Jahres reichte die Anwaltskanzlei Bay Area Bicycle Law eine Klage gegen Waymo und dessen Mutterkonzern Alphabet (Google) ein. Der Vorwurf: Zwei Waymo-Fahrzeuge blockierten gleichzeitig eine Fahrradspur und verursachten so einen schweren Unfall.
Die Radfahrerin Jenifer Hanke wurde beim Verlassen des Weges von einer Autotür getroffen, als Fahrgäste eines Waymo ausstiegen. Durch den Aufprall stürzte sie direkt in ein zweites, auf der gegenüberliegenden Seite der Fahrradspur parkendes Waymo-Fahrzeug. Die Klage wirft dem Unternehmen vor, durch diese gefährliche Praxis die Sicherheit von Radfahrern massiv zu gefährden.
„Zu hohe Anforderungen an die Technik“ – Waymo rechtfertigt riskantes Verhalten
Christopher White, Geschäftsführer der San Francisco Bike Coalition, kritisiert das Vorgehen von Waymo scharf: „Menschen weisen oft darauf hin, dass autonome Fahrzeuge im Gegensatz zu menschlichen Fahrern Ampeln beachten und Tempolimits einhalten. Doch sie sind nur so sicher, wie sie programmiert wurden.“
White erklärt weiter, dass Waymo-Fahrzeuge regelmäßig in Fahrradspuren halten, um Fahrgäste abzusetzen oder aufzunehmen – eine Praxis, die weder legal noch sicher sei. Dennoch behaupte das Unternehmen, dies entspreche den Erwartungen der Kunden. Noch brisanter: Waymo habe gegenüber Verkehrssicherheitsaktivisten eingeräumt, dass die Einhaltung von Fahrradspuren „eine zu hohe Hürde“ darstelle, da Kunden darauf bestünden, direkt in diesen Bereichen abgeholt zu werden.
„Autonome Fahrzeuge sind nur so gut und sicher, wie sie programmiert wurden. Waymo missachtet Fahrradspuren systematisch – und das mit Billigung des Unternehmens.“
Christopher White, San Francisco Bike Coalition
Waymo schweigt zu den Vorwürfen
Auf Anfrage von Streetsblog zu den Vorfällen und Whites Aussagen reagierte Waymo nicht. Angesichts der sonstigen Kommunikationsfreude des Unternehmens, das regelmäßig seine Sicherheitsstatistiken betont, wirkt dieses Schweigen besonders auffällig. Es deutet darauf hin, dass das Unternehmen die Kritik zwar kennt, aber keine Änderungen plant.
Fazit: Autonome Fahrzeuge brauchen strengere Regeln
Die Vorfälle zeigen ein zentrales Problem der autonomen Fahrzeugtechnologie: Sicherheit hängt maßgeblich von der Programmierung ab. Während Waymo und andere Anbieter ihre Systeme als fortschrittlich und sicher vermarkten, ignorieren sie in der Praxis grundlegende Verkehrsregeln – mit potenziell tödlichen Folgen für Radfahrer.
Experten fordern daher strengere Regulierungen und Kontrollen, um sicherzustellen, dass autonome Fahrzeuge nicht nur technisch einwandfrei funktionieren, sondern auch im Straßenverkehr verantwortungsvoll agieren. Bis dahin bleibt die Frage: Sind selbstfahrende Autos wirklich die Zukunft – oder nur ein teures Experiment mit unkalkulierbaren Risiken?