Ein Social-Media-Krieg mit unerwarteten Folgen
Im August letzten Jahres stand Cracker Barrel wegen seines neuen, als „modern“ kritisierten Logos im Internet unter Beschuss. Doch während die Debatte über das Design tobte, eskalierte die Situation an anderer Stelle: Steak ’n Shake, eine Burgerkette, startete eine ungewöhnliche Kampagne gegen den Konkurrenten.
Für eine Woche postete das X-Konto von Steak ’n Shake keine Werbung für Burger, sondern attackierte Cracker Barrel. Die Vorwürfe: „Zerstörung von Aktionärswerten“, finanzielle Misswirtschaft und mangelnde Transparenz. Dazu kamen provokante Aktionen wie der Verkauf von 20-Dollar-MAGA-Mützen mit der Aufschrift „Fire Cracker Barrel CEO” sowie ein Werbeplakat nahe dem Hauptsitz von Cracker Barrel in Nashville, das die gleiche Botschaft verbreitete.
Nur wenige Tage später gab Cracker Barrel nach: Das Logo wurde zurückgenommen, die öffentliche Empörung ebbte ab. Doch Steak ’n Shake setzte seine Kampagne fort – und zwar monatelang, bis ins Jahr 2026 hinein. Die Angriffe wurden immer schärfer: von sinkenden Portionsgrößen über rückläufige Besucherzahlen bis hin zu Vorwürfen der Verwendung von Mikrowellen und angeblich tagelang gelagerten Brötchen. Selbst der massive Kursverfall der Cracker-Barrel-Aktie um 85 % wurde thematisiert.
Wer steckt hinter der Kampagne? Der umstrittene Sardar Biglari
Hinter dieser ungewöhnlichen Strategie steht Sardar Biglari, der 48-jährige CEO von Steak ’n Shake und einer der bekanntesten Aktivisteninvestoren der Restaurantbranche. Biglari, oft als „gefährlichster Mann der Fast-Food-Branche“ bezeichnet, setzt seit Jahren auf aggressive Taktiken, um Unternehmen zu beeinflussen.
Normalerweise kämpft er über seine Investmentgesellschaften oder Holdingfirmen um Einfluss in Unternehmen. Doch 2025 ging er einen Schritt weiter: Er machte Steak ’n Shake, seine größte Verbrauchermarke, zur öffentlichen Front in seinem Kampf gegen Cracker Barrel. Es war nur eine von mehreren Kampagnen, die Biglari in den letzten Jahren gegen Restaurantketten führte.
Weitere Ziele: Jack in the Box und El Pollo Loco
Biglaris Methoden zwangen auch andere Ketten in die Defensive. So aktivierten Jack in the Box und El Pollo Loco ihre sogenannten „Poison Pills“ – Abwehrmechanismen, die feindliche Übernahmen erschweren sollen. Bei Jack in the Box, das seit 2020 mit fast 11 Führungswechseln in der Geschäftsführung und im Vorstand zu kämpfen hat, gelang es Biglari bisher nicht, Fuß zu fassen. El Pollo Loco prüft stattdessen private-Equity-Angebote, um sich vor Biglaris Einfluss zu schützen.
Cracker Barrel selbst setzt seit 2011 auf die „Poison Pill“, um Biglari daran zu hindern, weitere Anteile zu erwerben. Bisher hat die Abwehrmaßnahme die Aktionäre rund 31 Millionen Dollar gekostet.
Biglaris einzigartige Strategie: Steak ’n Shake als Waffe
Biglari unterscheidet sich von anderen Investoren in der Branche. Während Ketten wie Chick-fil-A, In-N-Out oder Starbucks auf starke Gründerpersönlichkeiten und eine klare Markenidentität setzen, agiert er anders: Er nutzt die finanziellen Mittel von Steak ’n Shake, um Anteile an Konkurrenzunternehmen zu erwerben. Anschließend fordert er Einfluss – nicht als stiller Investor, sondern als aktiver Konkurrent, der an „ihrem Tisch sitzt“.
Doch nicht alle in der Branche schätzen seine Methoden. „Die meisten Profis in der Restaurantbranche halten ihn für sehr seltsam“, sagt Analyst John Gordon, Gründer der Pacific Management Consulting Group. Auch Branchenkenner John Hamburger, Präsident der Franchise Times Corp., bestätigt: „Restaurantleute ignorieren ihn einfach.“
Warum Maxim Magazine plötzlich mitmischt
Doch Biglaris Einfluss reicht noch weiter: Selbst das Männermagazin Maxim wurde in seine Kampagnen einbezogen. Die genauen Hintergründe bleiben unklar, doch es zeigt, wie weitreichend seine Taktiken sind. Von Social Media über klassische Werbung bis hin zu medialer Aufmerksamkeit – Biglari nutzt alle Mittel, um seine Ziele zu erreichen.
Fazit: Ein Investor, der die Branche verändert
Sardar Biglari ist kein gewöhnlicher Investor. Seine Methoden sind umstritten, seine Taktiken ungewöhnlich, doch seine Erfolge sind nicht zu leugnen. Ob Cracker Barrel, Jack in the Box oder El Pollo Loco – er zwingt Unternehmen zum Handeln, selbst wenn sie sich dagegen wehren. Die Restaurantbranche steht vor der Frage: Wie geht sie mit einem Investor um, der keine Kompromisse kennt und seine Waffen öffentlich einsetzt?