Studie belegt: Armut gefährdet die Gesundheit von Neugeborenen

Babys aus Familien mit niedrigem Einkommen haben ein deutlich höheres Risiko, zu früh oder mit zu geringem Gewicht geboren zu werden. Eine aktuelle Studie mit Daten von 380.000 Geburten in den USA (2012–2022) zeigt, dass diese Ungleichheiten teilweise sogar zunehmen. Die Untersuchung ist eine der wenigen, die einen direkten Zusammenhang zwischen Einkommen und Geburtsergebnissen herstellt.

Finanzielle Belastung wirkt sich bereits vor der Geburt aus

Mütter mit geringem Einkommen wiesen in fast allen Gesundheitskennzahlen für Neugeborene schlechtere Werte auf. Besonders auffällig: Das Risiko für Untergewicht bei der Geburt stieg bei einkommensschwachen Familien deutlich stärker an als bei wohlhabenderen Haushalten. „Die wachsende Kluft beim Untergewicht von Neugeborenen ist besorgniserregend – vor allem, weil sie vor allem auf die steigenden Raten bei einkommensschwachen Familien zurückzuführen ist“, erklärt Emily Dore, Postdoktorandin an der Harvard TH Chan School of Public Health und Hauptautorin der Studie.

Sozialleistungen mildern, reichen aber nicht aus

Programme wie finanzielle Unterstützung oder Nahrungsmittelhilfen können die Belastungen lindern. Doch die Höhe dieser Leistungen variiert stark zwischen den Bundesstaaten und ist oft unzureichend. Die Forscher fordern politische Maßnahmen, um Familien während und nach der Schwangerschaft besser zu unterstützen. „Mütter sind vor der Geburt bereits zahlreichen Belastungen ausgesetzt – unsichere Wohnverhältnisse, Nahrungsmittelknappheit, finanzieller Stress. Diese Faktoren wirken sich direkt auf die Gesundheit aus“, sagt Megan Reynolds, Soziologin an der University of Utah und Mitautorin der Studie. „Das Gesundheitssystem allein kann diese Ungleichheiten nicht ausgleichen. Wir brauchen eine breitere Gesundheits- und Sozialpolitik.“

Datenbasis: PRAMS – ein bedrohtes nationales Überwachungssystem

Die Studie stützt sich auf Daten des Pregnancy Risk Assessment Monitoring System (PRAMS), einer Erhebung der CDC, die seit den 1980er-Jahren mütterliche und kindliche Gesundheitsdaten sammelt. Im Frühjahr 2025 wurde die PRAMS-Abteilung der CDC jedoch vorläufig geschlossen und droht zu verschwinden. Frühgeburten – definiert als Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche – sind eine der häufigsten Ursachen für Säuglingssterblichkeit und langfristige Gesundheitsprobleme. Babys mit zu geringem Gewicht oder zu früher Geburt haben ein höheres Risiko für Entwicklungsverzögerungen und chronische Erkrankungen.

Dauerhafte Überwachung ist entscheidend

Langfristige Datenerfassung ist essenziell, um Trends in der mütterlichen und kindlichen Gesundheit zu erkennen und gezielte Hilfsmaßnahmen zu entwickeln. „PRAMS ist eine wertvolle Ressource – es ist eines der wenigen Systeme, das nicht nur Geburtsdaten, sondern auch die Lebensumstände der Mütter erfasst“, betont Reynolds. „Unsere Analyse soll Entscheidungsträgern zeigen, dass Sozialpolitik gleichzeitig Gesundheitspolitik sein muss.“

Wer ist besonders betroffen?

Im Rahmen der Studie wurden etwa 37 % der Mütter als einkommensschwach eingestuft – definiert als Haushalte mit einem Einkommen unter 200 % der Armutsgrenze. Diese Gruppe zeigte in fast allen Gesundheitskennzahlen für Neugeborene schlechtere Ergebnisse:

  • Höhere Rate an Frühgeburten
  • Kürzere Schwangerschaftsdauer
  • Häufigeres Untergewicht bei der Geburt
  • Niedrigeres durchschnittliches Geburtsgewicht

Forderung: Sozialpolitik als Gesundheitspolitik

Die Autoren der Studie plädieren dafür, politische Maßnahmen zu ergreifen, die Familien bereits während der Schwangerschaft unterstützen. Dazu gehören:

  • Ausbau von finanzieller Unterstützung
  • Verbesserte NahrungsmittelhilfenZugang zu bezahlbarem Wohnraum
  • Psychosoziale Betreuung für werdende Mütter

„Gesundheit beginnt nicht erst im Krankenhaus. Wir müssen die Ursachen von Armut und Stress bekämpfen, um die Gesundheit von Müttern und Kindern nachhaltig zu verbessern“, so Reynolds.