Im Mai 2016 tat Elon Musk etwas, das nicht zu seinem sonstigen Verhalten passte – und das er seitdem zu tilgen versucht: Er spendete 38 Millionen Dollar an OpenAI. Der reichste Mann der Welt gilt gleichzeitig als einer der geizigsten. Seine private Stiftung gibt oft weniger aus als gesetzlich vorgeschrieben. Musk argumentiert, seine Unternehmen seien per se philanthropisch, da sie Technologien entwickeln, die das «Bewusstsein der Menschheit erweitern». Doch der Betrag war entscheidend für OpenAI: Er ermöglichte dem jungen Non-Profit die Anwerbung von Talenten und den Aufstieg im KI-Wettlauf.

Doch die Beziehung zwischen Musk und OpenAI-Chef Sam Altman zerbrach. 2018 verließ Musk den Vorstand, stoppte weitere Zahlungen und gründete mit xAI einen Konkurrenten. 2024 verklagte er Altman und OpenAI – er wirft ihnen vor, ihre Mission verraten und sein Geld missbraucht zu haben. Der Prozess beginnt diese Woche in Oakland und wird zum Symbol für den Kampf um die Zukunft der KI.

Musk wirft OpenAI vor, zur Microsoft-Tochter verkommen zu sein

Musk fordert, OpenAI müsse zu seiner ursprünglichen Form als gemeinnütziges Open-Source-Projekt zurückkehren. Die Beklagten weisen die Vorwürfe zurück und malen Musk als undankbaren Rivalen, der hinter den Kulissen eigene Interessen verfolge. Die Akten zeigen ein Bild von Misstrauen, Intrigen und Machtkämpfen: verschwindende E-Mails, Treffen in Davos und auf Burning Man, und immer wieder der Einfluss von Larry Summers.

Im Kern geht es um Macht – wer sie hat, wer sie haben sollte und wie sie genutzt wird. Die Dokumente enthüllen, wie Tech-Oligarchen wirklich ticken: Sie fordern Vertrauen von der Öffentlichkeit, doch untereinander herrscht blankes Misstrauen.

Wie eine gemeinsame Angst die Partnerschaft begann

2015 fürchteten Musk und Altman, dass zu viel Einfluss bei einem Silicon-Valley-Unternehmen konzentriert war – konkret bei Google und dessen KI-Sparte DeepMind. In einem Gespräch mit Google-Mitgründer Larry Page äußerte Musk Bedenken über die Zukunft der Menschheit bei fortschreitender KI-Entwicklung. Page bezeichnete ihn als «Speziesist» und sagte, KI sei «unser Nachfolger».

Diese Angst trieb die beiden zusammen. Sie gründeten OpenAI als gemeinnütziges Projekt, um die Entwicklung von KI im öffentlichen Interesse zu steuern. Doch aus dieser Allianz wurde ein erbitterter Streit – über Geld, Kontrolle und die Frage, wer die KI der Zukunft kontrolliert.

Was der Prozess über die KI-Branche verrät

Der Fall Musk gegen Altman ist mehr als ein Rechtsstreit. Er zeigt, wie Tech-Milliardäre ihre eigenen Visionen durchsetzen wollen – oft auf Kosten von Transparenz und Zusammenarbeit. Die Anklage wirft ein Schlaglicht auf die Widersprüche der Branche: Einerseits wird KI als Heilsbringer für die Menschheit gefeiert, andererseits wird um Profite und Macht gekämpft.

Die Dokumente des Prozesses offenbaren, wie schnell aus idealistischen Projekten undurchsichtige Profitmaschinen werden können. Sie fragen die Öffentlichkeit: Können wir diesen Oligarchen wirklich vertrauen – oder sind sie nur an ihrer eigenen Macht interessiert?