Deutschland und Schweden haben eine ungewöhnliche Allianz geschlossen, um Europas Antwort auf die wachsende Drohnenbedrohung zu stärken. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) und die schwedische Innovationsagentur Vinnova – zwei Institutionen, die bisher kaum zusammenarbeiteten – unterstützen nun gemeinsam europäische Teams bei der Entwicklung von Abwehrsystemen gegen feindliche Drohnen.
Eines dieser Teams wird von Martin Saska, Robotikprofessor an der Tschechischen Technischen Universität Prag, geleitet. Sein Projekt EAGLE.ONE zählt zu den geförderten Vorhaben, die Flughäfen, Kernkraftwerke und zivile Einrichtungen schützen sollen. Die Zusammenarbeit der beiden Agenturen markiert einen strategischen Schritt, um Europas Innovationskraft zu steigern – besonders vor dem Hintergrund globaler Wettbewerbsverzerrungen.
Warum Europa ein eigenes DARPA braucht
Der italienische Ex-Ministerpräsident Mario Draghi hatte in seinem Bericht zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit deutlich gemacht: Europa hinkt bei der Umsetzung radikaler Ideen hinterher. Die SPRIND-Vinnova-Partnerschaft, die 2023 offiziell gestartet wurde, soll genau das ändern. „Wir brauchen eine grundlegend andere Finanzierungsstrategie, wenn wir andere Ergebnisse sehen wollen“, erklärt Jano Costard, Leiter der Challenge-Programme bei SPRIND. „Wenn wir einfach kopieren, was andere tun, verlieren wir unseren Mehrwert.“
Beide Agenturen orientieren sich am Vorbild der US-amerikanischen DARPA, die mit Technologien wie Internet und GPS die Welt verändert hat – allerdings ohne militärische Ausrichtung. Während SPRIND erst seit 2020 operiert, hat Vinnova bereits über 20 Jahre Erfahrung. Besonders beeindruckend: Schweden mit nur 10 Millionen Einwohnern verzeichnete in den letzten zehn Jahren mehr Börsengänge als Deutschland, Frankreich, Spanien und die Niederlande zusammen.
Drohnen als erste gemeinsame Priorität
Die Wahl der Drohnenabwehr als erstes gemeinsames Projekt ist kein Zufall. Seit dem Ukraine-Krieg spielen Drohnen eine zentrale Rolle in Konflikten. Zudem sorgten 2025 wiederholte Drohnen-Sichtungen über europäischen Flughäfen für Alarmstimmung. Gleichzeitig wächst die Sorge über den Einsatz russischer und chinesischer Hardware in kritischen Infrastrukturen – ein Risiko, das Polizei und Militär alarmiert.
Doch Europas Drohnenmarkt ist stark zersplittert. „Wenn jede Polizeibehörde andere Anforderungen an Drohnenabwehrsysteme stellt, wird das für Startups zum Albtraum“, warnt Costard. „Ohne abgestimmte Nachfrage in den EU-Ländern kann kein Unternehmen skalieren.“
Für Gründer wie Saska ist die Unterstützung der Agenturen entscheidend. Sein Team gewann 2024 einen SPRIND-Wettbewerb und konnte so die Entwicklung seiner Drohnenjagd-Drohnen vorantreiben. „Ohne diese Förderung hätten wir diese Fortschritte nicht in diesem Tempo erreichen können“, betont er.
Europas Weg zu mehr Innovationskraft
Darja Isaksson, Generaldirektorin von Vinnova, unterstreicht die Notwendigkeit radikaler Investitionen: „Europa muss mehr in bahnbrechende Innovationen investieren und Wege finden, diese schneller zur Marktreife zu bringen.“ Ihr Ziel: „Private Investoren sollen diese Technologien leichter erkennen und sich engagieren.“
Die SPRIND-Vinnova-Kooperation könnte zum Vorbild für weitere europäische Initiativen werden. Mit flexibleren Finanzierungsmodellen – etwa Eigenkapitalbeteiligungen an Startups, wie sie SPRIND seit 2023 nutzen darf – setzt Deutschland neue Maßstäbe. Schweden zeigt, wie auch kleinere Länder mit gezielter Förderung globale Wettbewerbsfähigkeit erreichen können.
Die Drohnenbedrohung ist nur der erste Schritt. Sollte das Modell Erfolg haben, könnten weitere Technologiefelder folgen – und Europa so seinen Platz im globalen Innovationswettlauf zurückerobern.