FBI-Chef verklagt The Atlantic wegen angeblicher Diffamierung
Der amtierende FBI-Direktor Kash Patel hat das renommierte Magazin The Atlantic am Montag auf Schadensersatz in Höhe von 250 Millionen Dollar verklagt. Patel wirft dem Magazin vor, einen am Freitag veröffentlichten Artikel als „böswillige Hetzkampagne“ verbreitet zu haben, der unwahre Behauptungen über seine angebliche Trunksucht und Missmanagement innerhalb der Behörde aufstellt. The Atlantic wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, die Klage „energisch abzuwehren“.
Anonyme Quellen als Grundlage der Berichterstattung
In dem umstrittenen Artikel behauptete Autorin Sarah Fitzpatrick, Patel sei besorgt über den Verlust seines Amtes – ein Eindruck, der durch „Zeugenaussagen zu seinen angeblichen Alkoholexzessen“ gestützt werde. Fitzpatrick selbst wurde ebenfalls als Beklagte in die Klage aufgenommen. Laut The Atlantic hätten mehrere FBI- und Justizbeamte Bedenken wegen Patels Verhalten geäußert, darunter „auffällige Trunkenheit und unerklärliche Abwesenheiten“. Ein anonymer Beamter äußerte gegenüber dem Magazin, die Sorge um mögliche Konsequenzen bei einem Terroranschlag in den USA halte ihn „nachts wach“.
Weiße Haus verteidigt Patel als „wichtigen Akteur“
Das Weiße Haus betonte gegenüber The Atlantic, Patel bleibe ein „entscheidender Mitarbeiter“ im Team von Ex-Präsident Donald Trump und habe maßgeblich zur Senkung der Kriminalitätsrate beigetragen. Zudem lobte die Regierung seine Bereitschaft, gegen politische Gegner vorzugehen. Patel bestritt in der am Montag eingereichten Klage die Vorwürfe und kritisierte das Magazin scharf für die Nutzung anonymer Quellen. Fitzpatrick hatte erklärt, sie habe über zwei Dutzend Personen interviewt und ihnen Anonymität gewährt, um „sensible Informationen und private Gespräche“ zu diskutieren.
„Die Beklagten können sich nicht hinter fiktiven Quellen verstecken, um ihre böswilligen Lügen zu rechtfertigen.“
Laut Klageschrift hatte Patels Anwaltsteam das Magazin um mehr Zeit für eine Stellungnahme gebeten – eine Antwort blieb jedoch aus. Dies werde als „starker Beweis für böswillige Absicht“ gewertet.
Atlantic beschreibt konkrete Vorfälle
The Atlantic führte mehrere Beispiele an, die angeblich Zeugen beobachtet hätten: Patel sei in der Washingtoner Privatclub Ned’s und im Poodle Room in Las Vegas, wo er regelmäßig am Wochenende verkehre, beim exzessiven Trinken gesehen worden. Sechs Personen berichteten dem Magazin, dass Besprechungen und Briefings mit Patel aufgrund seines vorherigen Alkoholkonsums auf spätere Tageszeiten verlegt werden mussten. Zudem habe sein Sicherheitsteam „mehrfach Schwierigkeiten“ gehabt, ihn zu wecken. In einem Fall sei sogar Spezialausrüstung angefordert worden, um eine verschlossene Tür gewaltsam zu öffnen, nachdem Patel nicht erreichbar war.
Patel folgt Trumps Strategie gegen negative Berichterstattung
Mit der Klage setzt Patel eine Taktik fort, die sein Vorgesetzter Donald Trump bereits in der Vergangenheit angewandt hat. Erst letzte Woche wies ein Gericht in Florida Trumps 10-Milliarden-Dollar-Klage gegen das Wall Street Journal ab. Der Richter begründete dies damit, dass Trump keine plausible Beweise für „böswillige Absicht“ vorlegen konnte – die rechtliche Hürde für eine Verurteilung wegen Verleumdung. Bereits im September 2023 hatte ein Gericht eine weitere 15-Milliarden-Dollar-Klage Trumps gegen die New York Times und mehrere Journalisten abgewiesen, nachdem diese kritische Berichte veröffentlicht hatten.