KI-gestützte Schadenserkennung bei Hertz: Politischer Druck, aber keine FTC-Untersuchung

Jack Schlossberg, Enkel des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy und Kandidat für den Kongress, fordert die Federal Trade Commission (FTC) auf, Hertz wegen mutmaßlicher überzogener Schadensabrechnungen durch KI zu untersuchen. In einem Video seiner Kampagne behauptet er, Hertz berechne Kunden Schäden, die „mikroskopisch klein und mit bloßem Auge nicht sichtbar“ seien. Zudem kritisiert er, dass Verbraucher kaum Möglichkeiten hätten, solche Anschuldigungen zu widerlegen.

Doch die FTC zeigt sich unbeeindruckt. Joseph Simonson, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit der Behörde, erklärte gegenüber The Dallas Express: „Wir erhalten keine Forderungen von politischen Kandidaten. Ich bin mit den Aussagen dieser Person nicht vertraut und habe auch kein Interesse daran, mich damit zu beschäftigen.“ Zudem betonte er, dass die FTC weder den Status noch die Existenz von Untersuchungen bestätige.

UVEye: Technologie mit umstrittenem Nutzen

Hertz setzt seit letztem Jahr auf das KI-gestützte System UVEye, das Fahrzeuge bei Aus- und Rückgabe automatisch scannt. Die Software vergleicht die Aufnahmen und identifiziert angebliche Schäden, die während der Mietzeit entstanden sein sollen. Das Unternehmen wirbt damit, dass über 97 % der Scans zu keinen Gebühren führen – ein Zeichen für hohe Genauigkeit.

Doch Kunden berichten immer wieder von Problemen: falsche Anschuldigungen, schwierige Beschwerdewege und unklare Beweisführung. Einige veröffentlichen sogar Fotos, die angebliche Schäden widerlegen sollen. Ein Beispiel ist ein Fall aus dem Jahr 2023, in dem ein Mieter nachweisen konnte, dass ein von UVEye erfasster „Schaden“ bereits vor der Miete vorhanden war.

Forderungen nach Transparenz – doch Beweise fehlen

Schlossbergs Vorwürfe basieren bisher vor allem auf hypothetischen Szenarien. Konkrete Daten zu systematischen Fehlern oder falsch positiven Ergebnissen des Systems fehlen. Zwar gab es 2023 eine Anfrage des House Oversight Committee an Hertz, doch das Unternehmen betont, dass UVEye die Streitfälle insgesamt reduziere – durch präzisere Dokumentation im Vergleich zu manuellen Kontrollen.

Hertz argumentiert, dass die Technologie nicht nur die Genauigkeit erhöhe, sondern auch den Mietprozess beschleunige. Dennoch bleiben Zweifel: Wie zuverlässig ist die KI wirklich? Werden Kunden ausreichend über ihre Rechte aufgeklärt? Und wie transparent geht Hertz mit Beschwerden um?

„Es gibt legitime Fragen zur automatisierten Schadenserkennung – besonders bei Streitfällen. Doch Schlossbergs Argumente stützen sich bisher eher auf Vermutungen als auf handfeste Beweise.“

Fazit: KI im Mietwagenbusiness – Fortschritt oder Risiko?

Die Debatte um UVEye zeigt, wie KI-Technologien im Alltag eingesetzt werden – und welche Herausforderungen damit einhergehen. Während Hertz die Vorteile betont, mahnen Verbraucherschützer zur Vorsicht. Eine unabhängige Überprüfung der Technologie könnte Klarheit bringen. Bisher bleibt die FTC jedoch untätig – und Schlossbergs Forderung nach einer Untersuchung damit vorerst ohne Echo.

Quelle: CarScoops