Ein Milliardenprojekt mit katastrophalen Folgen
Kalifornien hat fast eine halbe Milliarde Dollar in ein neues 911-System investiert – doch statt Fortschritt brachte es Chaos. Das Next Generation 911-System sollte moderne Funktionen wie Sprach-, Text- und Videoübertragung ermöglichen und bis 2021 fertig sein. Doch die Umsetzung scheiterte grandios: Bis 2024 waren nur wenige Dispatcher an das neue System angeschlossen, das voller Fehler steckte. Die Kosten beliefen sich auf 450 Millionen Dollar zwischen 2019 und 2025, wie The Sacramento Bee berichtete.
Lebensgefährliche Pannen und verlorene Anrufe
Die Mängel des Systems hatten konkrete Folgen: In Tuolumne County wurden Notrufe falsch weitergeleitet, Anrufe gingen verloren, und für zwölf Stunden war der 911-Notruf komplett blockiert. Ein Dispatcher konnte einen Anruf wegen eines akuten Herzinfarkts nicht weiterleiten. In Desert Hot Springs verzögerte sich die medizinische Hilfe, weil Polizei und Rettungskräfte Probleme mit der Anrufübertragung hatten.
Laut NBC Bay Area News zeigte sich das System als unzuverlässig und gefährlich. Die Technologie sollte eigentlich eine flächendeckende Modernisierung bringen – stattdessen verursachte sie lebensbedrohliche Verzögerungen.
Politischer Druck nach Enthüllungen
Nach Berichten lokaler Medien über die katastrophalen Zustände formierte sich politischer Widerstand. Im Februar brachte der republikanische Senator Tony Strickland den „Fix 911 Act“ ein. Das Gesetz verlangt regelmäßige Berichte der California Governor’s Office of Emergency Services (Cal OES) an das Parlament über Fortschritt und Kosten des Projekts. Eine Pressemitteilung verwies explizit auf die Enthüllungen von The Sacramento Bee und NBC Bay Area als Auslöser für mehr Kontrolle.
Auch die demokratische Abgeordnete Rhodesia Ransom forderte strengere Aufsicht über das marode System. Die Kritik: Cal OES muss sein ursprüngliches Regionalkonzept aufgeben und bis 2030 ein funktionierendes 911-System statewide einführen – mit strenger Prüfung und transparenter Steuerung.
Wer zahlt den Preis?
„Die Verlierer sind immer dieselben: die Steuerzahler und Bürger, die monatlich eine Gebühr für ein System zahlen, das nicht funktioniert – und hoffen müssen, dass der aktuelle Notruf nicht komplett zusammenbricht.“
Ohne investigative Recherchen hätte Kalifornien noch Jahre lang für ein teures und untaugliches System zahlen müssen. Doch selbst jetzt bleibt die Frage: Warum scheiterte ein solch hochdotiertes Projekt in einem der reichsten Bundesstaaten der USA?
Hintergründe: Warum Kalifornien bei Notrufsystemen immer wieder versagt
Experten verweisen auf Kaliforniens lange Geschichte von IT-Projekten mit massiven Budgetüberschreitungen und Verzögerungen. Von der Digitalisierung der Arbeitslosenversicherung bis zu neuen Steuer-Systemen – immer wieder scheitern ambitionierte Vorhaben an mangelnder Planung, Koordination oder politischer Kontrolle. Das 911-Desaster ist nur das jüngste Beispiel für ein strukturelles Problem.
Die aktuelle Krise zeigt: Ohne unabhängige Kontrollen, klare Verantwortlichkeiten und realistische Zeitpläne werden Steuergelder verschwendet – und im Ernstfall kostet das Menschenleben.