Künstliche Intelligenz (KI) hat längst Einzug in nahezu jeden Bereich des Bewerbungsprozesses gehalten – sogar in Bereiche, die eigentlich menschliche Interaktion erfordern, wie etwa Vorstellungsgespräche. Während Unternehmen KI bereits seit Langem nutzen, um Bewerbungen und Lebensläufe zu filtern, setzen immer mehr Arbeitgeber die Technologie auch für erste Screening-Gespräche und automatisierte Interviews ein. Eine aktuelle Studie der Personalplattform Greenhouse zeigt: Fast zwei Drittel der Jobsuchenden in den USA wurden bereits von KI interviewt – ein Anstieg um 13 Prozentpunkte innerhalb von nur sechs Monaten.
Doch die Akzeptanz ist gering. In einer Umfrage unter knapp 1.200 US-amerikanischen Bewerbern gab 38 Prozent an, einen Bewerbungsprozess abgebrochen zu haben, sobald klar wurde, dass ein KI-Interview anstand. Weitere 12 Prozent würden dies tun, wenn sie mit einer solchen Situation konfrontiert wären. Besonders in einem angespannten Arbeitsmarkt, in dem trotz hoher Arbeitslosigkeit Stellen knapp sind, wirkt dieser Trend alarmierend – zumal viele Unternehmen weiterhin Jobs aufgrund von KI-Einsätzen streichen.
Die Überraschung über den KI-Einsatz hält sich bei Bewerbern in Grenzen. Viele nutzen selbst KI-Tools, um Lebensläufe aufzupeppen oder sich massenhaft auf Stellen zu bewerben. Dadurch entstehen oft unübersichtliche Bewerbungsschlangen, in denen Qualifikationen übertrieben oder falsch dargestellt werden. Doch eines fordern Bewerber ein: Transparenz. Die Greenhouse-Studie zeigt jedoch, dass viele Arbeitgeber ihre Kandidaten nicht ausreichend über den Einsatz von KI informieren. 70 Prozent der Befragten gaben an, nicht gewusst zu haben, dass sie von einer KI interviewt und bewertet werden würden. Bei etwa einem Fünftel der Kandidaten wurde die KI-Nutzung erst während des Interviews offensichtlich.
Besonders kritisch sehen Bewerber die Praxis, dass KI vorab aufgezeichnete Videointerviews auswertet. Ein Drittel der Befragten brach daraufhin den Bewerbungsprozess ab. Über ein Viertel der Jobsuchenden kritisierte zudem, dass Arbeitgeber nicht offen kommunizierten, inwieweit KI im Auswahlverfahren eine Rolle spielt. Am häufigsten führten jedoch Zweifel darüber, ob man mit einem Menschen oder einer KI spricht, zum Abbruch: 20 Prozent der Befragten beendeten eine Bewerbung aus diesem Grund.
Ob KI-Interviews tatsächlich Vorurteile reduzieren oder sogar verbessern können, wie manche Experten argumentieren, wird von den Bewerbern bezweifelt. Über ein Drittel der Befragten berichteten von Altersdiskriminierung – sowohl in menschlichen als auch in KI-gestützten Interviews. Mehr als ein Viertel fühlte sich aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit benachteiligt. Von denjenigen, die ein KI-Interview absolvierten, schafften nur 28 Prozent den Sprung in die nächste Runde. Über die Hälfte erhielt keine Rückmeldung, und nur 13 Prozent erhielten eine explizite Absage.
Trotz dieser Kritikpunkte zeigt sich: Die meisten Bewerber akzeptieren den Einsatz von KI im Bewerbungsprozess – solange sie darüber informiert werden. Die Forderung nach mehr Transparenz wird lauter, da viele Arbeitgeber ihre Kandidaten im Unklaren lassen. Die Studie unterstreicht damit einen wachsenden Konflikt zwischen technologischem Fortschritt und fairen Bewerbungsbedingungen.