Zeitdruck für das Krypto-Gesetz der USA
Die USA stehen vor einer entscheidenden Phase für das Clarity Act, das wichtigste Krypto-Gesetz des Landes. Sollte es nicht vor den Midterm-Wahlen im November 2024 in Kraft treten, könnte es laut Analysten Jahre dauern, bis eine neue Chance kommt.
Alex Thorn, Leiter der Forschungsabteilung bei Galaxy Digital, warnt in einer aktuellen Analyse:
"Wenn die Markup-Phase bis Mitte Mai verschoben wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung 2026 drastisch."Thorn schätzt die Erfolgschancen für 2026 auf nur noch 50 Prozent oder weniger ein.
Auch die Prognosen auf Polymarket spiegeln diese Skepsis wider: Die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung in diesem Jahr liegt aktuell bei 47 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber 82 Prozent im Februar.
Politische Hürden im Senat
Der Senat steht derzeit vor einer Reihe von Herausforderungen, darunter Debatten über die Militärhilfe für den Iran, ungelöste Haushaltsfragen für das Heimatschutzministerium und ein Rückstau bei Präsidialernennungen. Der Zeitplan bis zur Sommerpause im August ist eng gesteckt.
Sollten die Demokraten nach den Wahlen im November das Repräsentantenhaus zurückerobern, könnte die legislative Arbeit komplett zum Erliegen kommen. Thorn betont:
"Die Bedingungen für eine Verabschiedung sind nicht dauerhaft."
Bipartisaner Support schwindet
Im Juli 2025 passierte der Clarity Act das Repräsentantenhaus mit 294 zu 134 Stimmen. 78 Demokraten stimmten gemeinsam mit den Republikanern für das Gesetz – ein seltenes Zeichen der Einigkeit, dass der Krypto-Markt einer bundesweiten Regulierung bedarf.
Thorn führt vier Gründe für die anfängliche Unterstützung an:
- Donald Trump: Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus unterstützt der US-Präsident die Krypto-Branche durch Exekutivverordnungen, Personalentscheidungen und öffentliche Auftritte.
- Tim Scott: Der republikanische Senator aus South Carolina leitet den Bankenausschuss des Senats und hat Krypto-Gesetzgebung zu einer Priorität gemacht.
- Genius Act: Die Verabschiedung des stabilcoin-relevanten Gesetzes im Sommer 2023 zeigte, dass Demokraten und Republikaner in Krypto-Fragen zusammenarbeiten können.
- Krypto-Lobby: Die Branche investierte 2024 über 133 Millionen Dollar in pro-krypto Kandidaten und setzt diese Strategie auch im aktuellen Wahlzyklus fort.
Streitpunkte im Senat
Im Senat gestaltet sich die Verhandlung schwieriger. Ursprünglich für Januar geplante Markup-Sitzungen wurden aufgrund von Streitigkeiten über Stablecoin-Belohnungen verschoben.
Doch nicht nur Stablecoins sind ein Hindernis. Galaxy Digital identifiziert weitere Konfliktfelder:
- Blockchain Regulatory Certainty Act: Diese Regelung soll klarstellen, dass nicht-verwahrende Softwareentwickler (die Code schreiben, aber keine Nutzergelder kontrollieren) nicht als Geldtransmitter gelten. Während Krypto-Befürworter dies als essenziell für die onshore-Entwicklung sehen, warnen Strafverfolgungsbehörden vor Ermittlungslücken.
- Ethik-Regelungen: Einige Demokraten fordern, dass Regierungsbeamte und ihre Familien während ihrer Amtszeit keine Gewinne aus Krypto-Beständen erzielen dürfen.
"Niemand sollte ein öffentliches Amt haben, um davon zu profitieren",
erklärte der demokratische Abgeordnete Ro Khanna im Oktober.
Während solche Änderungen den Ausschussbeschluss nicht unbedingt blockieren müssen, könnten sie die weitere Gesetzgebung verkomplizieren.