Indigene Völker fordern Umsetzung internationaler Klimaschutzurteile

Indigene Gemeinschaften in pazifischen Inselstaaten sehen sich zunehmend verheerenden Stürmen ausgesetzt, die durch die Erwärmung der Ozeane verstärkt werden. Gleichzeitig dehnen sich Bergbauaktivitäten auf indigenem Land im Amazonasgebiet aus, und Ölförderungen in Ecuador laufen trotz gerichtlicher Anordnungen weiter. Auf der diesjährigen Sitzung des UN-Dauerforums für indigene Angelegenheiten in New York stellen indigene Führer und Aktivisten eine zentrale Frage: Wie können Regierungen gezwungen werden, internationale Klimaschutzurteile umzusetzen?

Internationale Gerichte stärken indigene Rechte – doch Umsetzung bleibt aus

Im vergangenen Jahr urteilte der Internationale Gerichtshof (IGH), dass Staaten, die zum Klimawandel beitragen, für die verursachten Schäden – insbesondere in kleinen Inselstaaten – verantwortlich gemacht werden können. Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte forderte im Sommer 2023 eine drastische Reduzierung fossiler Brennstoffe und die Einbindung indigenen Wissens in Klimapolitiken. Doch die Realität sieht anders aus: Viele UN-Mitgliedsstaaten ignorieren ihre Klimaverpflichtungen, sodass die Frage bleibt, ob diese Urteile jemals umgesetzt werden.

„Dies ist ein Moment der Chance. Diese Gutachten sind keine Symbolpolitik, sondern Instrumente der Macht. Sie können und müssen genutzt werden, um die Advocacy indigener Völker auf allen Ebenen zu stärken.“

Luisa Castañeda-Quintana, Geschäftsführerin der Organisation Land is Life

Ecuador: Verfassung schützt Natur – doch Unternehmen ignorieren Gesetze

Magaly Ruiz Cajas, Mitglied des ecuadorianischen Justizrats, betonte auf dem Forum, dass Ecuadors Verfassung seit 2008 die Rechte der Natur anerkennt. Dennoch setzen Unternehmen weiterhin Bergbau- und Ölprojekte auf indigenem Land um – trotz gerichtlicher Verbote. Juan Bay, Präsident der Waorani-Nation, kritisierte, dass Ecuador weder internationale noch nationale Gesetze zum Schutz isoliert lebender indigener Gruppen oder von Gemeinschaften in der Nähe von Ölfördergebieten einhält. Diese Praktiken seien „unvereinbar mit Klimaschutz und den Rechten indigener Völker“.

Die Situation verschärft sich: Im Februar 2024 verabschiedete Ecuador ein Gesetz, das den Bergbau beschleunigen und Umweltauflagen lockern soll – trotz massiver Proteste indigener und Umweltorganisationen. Gleichzeitig nehmen Gewalt und Verfolgung gegen indigene Landverteidiger zu.

Lateinamerika: Starke Gesetze, schwache Umsetzung

Albert Kwokwo Barume, UN-Sonderberichterstatter für indigene Völker, beschreibt in einem Bericht das Paradox Lateinamerikas: „Die Region verfügt über fortschrittliche Rechtsrahmen, scheitert aber bei der Umsetzung. Selbst günstige Gerichtsurteile werden durch mangelnde Durchsetzung und fehlende Konsultationen untergraben.“

Auch mächtige Industrienationen zeigen wenig Bereitschaft, internationale Klimavorgaben einzuhalten. Vanuatu und zwölf weitere Staaten hatten 2023 den IGH angerufen, um verbindliche Klimaschutzmaßnahmen einzufordern – doch bisher ohne nennenswerten Erfolg.

Forderungen an die internationale Gemeinschaft

Indigene Führer auf dem UN-Forum fordern nun konkrete Schritte:

  • Verstärkte Nutzung internationaler Urteile als rechtliche Grundlage für Klagen gegen Staaten;
  • Sanktionen gegen Länder, die Klimaschutzverpflichtungen ignorieren;
  • Unbedingte Einbindung indigener Gemeinschaften in Entscheidungsprozesse;
  • Strikte Umsetzung der UNDROP-Erklärung (UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker).

„Die Zeit des Wartens ist vorbei“, sagte Castañeda-Quintana. „Indigene Völker müssen diese Urteile aktiv einfordern und in ihre eigenen Rechtsnarrative integrieren – sonst bleiben sie leere Worte.“

Quelle: Grist