Im Sommer 2023 dominierte ein ungewöhnlicher Trend die sozialen Medien: Nutzer filmten sich dabei, wie sie den neuen Grimace Shake von McDonald’s tranken – und direkt danach einen vermeintlichen Tod in Horrorfilm-Manier inszenierten. Der lila Vanille-Beeren-Milchshake war als Limited Edition anlässlich des Geburtstags der Figur Grimace erschienen. Doch statt einer geplanten Marketingkampagne entwickelte sich daraus ein Phänomen, das über 2,9 Milliarden Mal auf TikTok abgerufen wurde und die Verkäufe um 10 % steigerte.
„Pure Gen-Z-Humor“ – McDonald’s reagiert unerwartet
Fast drei Jahre später gewährt Guillaume Huin, Senior Marketing Director bei McDonald’s, in einem Post auf X (ehemals Twitter) Einblicke in die interne Reaktion des Unternehmens auf den viralen Trend. Huin betont: „Wenn du denkst, wir hätten den Trend geplant … danke, aber du überschätzt uns.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass selbst das Management zunächst unsicher war, wie mit der Situation umzugehen sei.
Huin beschreibt, wie er den Trend erstmals zu Hause auf TikTok entdeckte – eine Flut von Videos, in denen Nutzer nach dem Trinken des Shakes dramatisch zusammenbrachen. Seine erste Reaktion: „Es fühlte sich an, als würde ich meinen Eltern einen riesigen Fehler beichten, der all unsere Arbeit ruinieren könnte.“
Von der Überraschung zur Strategie
Zunächst ging das Team davon aus, dass McDonald’s sich aus dem Trend heraushalten würde. „Ein Fast-Food-Unternehmen, das sich wie tot stellt, nachdem jemand seinen Shake getrunken hat, ist nicht unbedingt das, was man sich unter klassischem Marketing vorstellt“, erklärt Huin. Doch statt die Hände in den Schoß zu legen, formierte sich ein Krisenstab: Teams aus verschiedenen Abteilungen analysierten die Situation und entwickelten eine subtile Antwortstrategie.
E-Mails wie „Was tun?“ machten die Runde, bevor das Unternehmen schließlich reagierte – allerdings ohne den Trend selbst zu kopieren. „Wir haben nie ernsthaft in Betracht gezogen, den Trend nachzuahmen. Es fühlte sich einfach nicht richtig an“, so Huin. Stattdessen setzte McDonald’s auf humorvolle, aber zurückhaltende Posts, die den Hype aufgriffen, ohne sich anzubiedern.
Warum Zurückhaltung die beste Strategie war
Der Erfolg des Grimace Shakes zeigt: Manchmal sind virale Trends besser, wenn man sie nicht aktiv fördert. Huin betont, dass das Unternehmen bewusst vermied, sich in den Mittelpunkt zu stellen. „Es ging darum, den Humor zu würdigen, ohne die Marke zu überdehnen“, erklärt er. Mittlerweile hat der Trend sogar in Deutschland an Fahrt aufgenommen – ein Beweis dafür, dass unerwartete Social-Media-Phänomene auch Jahre später noch nachwirken können.
„Manchmal ist das Beste, was man tun kann, einfach zuzuhören – und dann klug zu reagieren.“
Guillaume Huin, Senior Marketing Director bei McDonald’s