Mitsubishi Motors hat seit seinem ersten offiziellen Rückruf bei der US-Verkehrsbehörde NHTSA im Jahr 1987 nur 150 Rückrufaktionen in den Vereinigten Staaten durchgeführt. Zum Vergleich: Der US-Autoriese Ford meldete allein im Jahr 2025 153 Rückrufe – ein historischer Höchstwert für die Branche. Seit Beginn des Jahres 2022 gab es bei Mitsubishi sogar nur acht Rückrufaktionen.

Während Ford-Besitzer die NHTSA-Website ähnlich häufig wie eine Wetter-App konsultieren, bleibt Mitsubishi auffällig zurückhaltend. Eine Auswertung von vier Jahrzehnten NHTSA-Daten zeigt: Keine andere etablierte Automarke in den USA kommt auf eine so geringe Rückrufquote. Seit der Unabhängigkeit von Chrysler 1982 und dem eigenständigen Verkauf in den USA hat Mitsubishi insgesamt nur 150 Rückrufaktionen verzeichnet, die rund 7,6 Millionen Fahrzeuge betrafen.

Ford hingegen übertrifft diese Zahl in einem einzigen Jahr. Mit 153 Rückrufen im Jahr 2025 hat der Konzern einen Branchenrekord aufgestellt – obwohl Mitsubishi in den USA deutlich weniger Fahrzeuge verkauft. Die Verkaufszahlen erklären zwar, wie viele Fahrzeuge betroffen sind, nicht jedoch die Häufigkeit der Rückrufe.

Wie schneiden andere Hersteller ab?

Ein Blick auf die Rückrufstatistiken zeigt: Mitsubishi liegt weit hinter den großen US-Herstellern zurück. General Motors verzeichnete 1.238 Rückrufaktionen seit 1987, Stellantis (ehemals Chrysler/FCA) 1.046. Selbst Suzuki, das sich 2012 aus dem US-Markt zurückzog, kommt auf 112 Rückrufe – größtenteils vor seinem Rückzug. Tesla, obwohl erst seit etwa einem Jahrzehnt aktiv, hat bereits 90 Rückrufaktionen gemeldet, was seine jährliche Rückrufquote höher ausfallen lässt als bei einigen Luxusmarken.

Mitsubishi: Seltene Rückrufe, aber keine Garantie für Sicherheit

Mitsubishis Rückrufhistorie ist geprägt von langen Phasen ohne jegliche Aktion. So gab es im Jahr 2024 keinen einzigen Rückruf, während andere Jahre nur minimale Aktivitäten verzeichneten. Der bisher aktivste Zeitraum lag zwischen 2014 und 2018, als das Unternehmen durchschnittlich acht Rückrufe pro Jahr meldete. Seitdem herrscht jedoch weitgehend Funkstille: Seit Januar 2020 gab es nur 16 Rückrufaktionen, davon acht seit 2022.

Die jüngsten Rückrufe betrafen vor allem technische Details wie defekte Heckklappen-Gasfedern (2025 und 2026) sowie Probleme mit Rückfahrkameras (2023 und 2025). Der letzte größere Rückruf mit Bezug zum Antriebssystem datiert aus dem August 2022 und betraf eine Software-Störung, die zu Motoraussetzern führen konnte. Das aktivste Jahr der letzten Dekade war 2020 mit fünf Rückrufen, die mehr als 361.000 Fahrzeuge betrafen.

Warum so wenige Rückrufe?

Experten nennen mehrere mögliche Gründe für Mitsubishis zurückhaltende Rückrufpolitik:

  • Kleinere Marktpräsenz: Mitsubishi verkauft in den USA deutlich weniger Fahrzeuge als Ford oder GM, was die absolute Anzahl potenzieller Rückrufe reduziert.
  • Konservatives Risikomanagement: Das Unternehmen scheint Rückrufe nur bei schwerwiegenden Sicherheitsmängeln zu veranlassen.
  • Technologische Zurückhaltung: Mitsubishi setzt seltener auf komplexe Elektronik oder Software, die häufig Ursache für Rückrufe sind.
  • Niedrigere Verkaufszahlen: Mit weniger ausgelieferten Fahrzeugen sinkt auch die Wahrscheinlichkeit von Rückrufaktionen.

Dennoch bedeutet eine geringe Rückrufquote nicht automatisch eine höhere Zuverlässigkeit. Kritiker weisen darauf hin, dass Mitsubishi in der Vergangenheit wiederholt mit Qualitätsproblemen konfrontiert war, die erst durch externe Untersuchungen ans Licht kamen.

Fords Rekord: 153 Rückrufe in einem Jahr

Während Mitsubishi mit minimalen Rückrufzahlen glänzt, setzt Ford Maßstäbe: 153 Rückrufaktionen im Jahr 2025 – ein bisher unerreichter Wert. Zum Vergleich: Die nächsten neun größten US-Automarken zusammen meldeten in diesem Jahr weniger Rückrufe. Ford verkauft zwar etwa 22-mal so viele Fahrzeuge wie Mitsubishi in den USA, doch die Rückrufhäufigkeit hängt nicht allein von der Verkaufsmenge ab, sondern auch von der Qualitätssicherung und der Komplexität der Fahrzeuge.

Experten sehen darin ein Zeichen für Fords aggressivere Herangehensweise an Sicherheitsmängel. Während einige Hersteller Rückrufe hinauszögern, um Kosten zu sparen, setzt Ford offenbar auf Transparenz und schnelle Reaktionen – selbst wenn dies zu einer höheren Rückrufzahl führt.

Quelle: CarScoops