Senat drängt auf Klarstellung zur 60-Tage-Frist
Senatsrepublikaner fordern die Trump-Administration auf, ihre Interpretation der 60-Tage-Frist des Kriegsächtungsgesetzes (War Powers Act) im Zusammenhang mit den Militäroperationen gegen den Iran zu präzisieren. Die Frist, die je nach Zählweise Ende April abläuft, verpflichtet den Präsidenten entweder zur Einholung einer parlamentarischen Genehmigung oder zum Rückzug der Truppen.
Die ersten Militäraktionen gegen den Iran fanden am 28. Februar statt. Verteidigungsminister Pete Hegseth äußerte jedoch vor dem Senatsausschuss für Streitkräfte eine abweichende Meinung: Die Frist könne während einer Waffenruhe «pausieren oder stoppen».
Republikaner zeigen sich offen für Hegseths Interpretation
Einige republikanische Senatoren, die bisher eine Resolution zum Kriegsächtungsgesetz unterstützten, signalisierten Zustimmung zu Hegseths Argumentation. Senator Todd Young (R-Ind.) kommentierte gegenüber Reportern:
«Es klingt, als hätte er uns hier etwas Spielraum gegeben. Wir werden uns ansehen, was sie uns offiziell übermitteln.»
Senator Josh Hawley (R-Mo.) ergänzte:
«Ich gehe davon aus, dass die Administration uns eine formelle Mitteilung zukommen lässt, in der steht: ‹Hier ist unsere Einschätzung zur Frist des Kriegsächtungsgesetzes.› Entweder wir benötigen 30 weitere Tage, oder wir sehen keinen zusätzlichen Bedarf aufgrund von X, Y, Z.»
Demokraten lehnen Hegseths Argumentation strikt ab
Demokraten widersprachen Hegseths Auslegung vehement. Senator Tim Kaine (D-Va.) erklärte:
«Eine Waffenruhe bedeutet, dass keine Bomben fallen. Sie bedeutet nicht, dass keine Feindseligkeiten mehr bestehen. Wenn wir die US-Streitkräfte einsetzen, um den gesamten Warenverkehr mit dem Iran zu blockieren, ist das immer noch eine feindselige Handlung.»
Kaine fügte hinzu:
«Diese Antwort zeigt, dass sie wissen, dass sie ein 60-Tage-Problem haben, und nun versuchen, eine Rechtfertigung zu finden, um es zu umgehen.»
Historische Parallelen: Vergleich mit dem Libyen-Konflikt 2011
Die aktuelle Debatte erinnert an den Streit zwischen Kongress und Weißem Haus während des Libyen-Konflikts 2011. Damals argumentierte Präsident Obama, dass die US-Beteiligung – etwa durch Geheimdienstunterstützung und Betankung alliierter Kampfflugzeuge – nicht als «Feindseligkeit» im Sinne des Kriegsächtungsgesetzes gelte.
Republikaner widersprachen damals scharf. Der damalige Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner (R-Ohio), sagte gegenüber der New York Times:
«Wir sind Teil eines Unternehmens, das Bomben auf Gaddafis Stellungen abwirft. Es ist meiner Meinung nach nicht nachvollziehbar, dass wir uns nicht in Feindseligkeiten befinden.»
Fazit: Ausschussvorsitzender zeigt sich gelassen
Senator Roger Wicker (R-Miss.), Vorsitzender des Senatsausschusses für Streitkräfte, äußerte sich besorgt: «Ich bin bisher nicht besonders besorgt über die 60-Tage-Frist.»
Hintergrund: Das Kriegsächtungsgesetz
- Das Gesetz verpflichtet den Präsidenten, innerhalb von 60 Tagen nach Beginn militärischer Feindseligkeiten die Zustimmung des Kongresses einzuholen.
- Die Frist kann um weitere 30 Tage verlängert werden, wenn der Präsident die Sicherheit der Truppen gefährdet sieht.
- Eine klare Definition von «Feindseligkeiten» existiert nicht, was zu unterschiedlichen Interpretationen führt.