Vernachlässigung mit tödlichem Ausgang
Pearlene Darby, eine pensionierte Lehrerin, wurde 2020 mit offenen Wunden an Beinen, Hüften und Fersen sowie einem fünf Zoll langen Riss am Steißbein ins Krankenhaus eingeliefert. Zwei Wochen später starb die 81-Jährige an Infektionen und Druckgeschwüren. Ihre Tochter verklagte das Pflegeheim City Creek Post-Acute and Assisted Living in Sacramento, Kalifornien, und warf dem Personal vor, Darby wiederholt in eigenen Exkrementen sitzen gelassen zu haben. Der Fall wurde außergerichtlich beigelegt, doch die Vorwürfe blieben: Nicht nur das Management des Heims, sondern auch der Eigentümer – ein Real Estate Investment Trust (REIT) – stand in der Kritik.
Millionenrenten trotz Defizit
Im Todesjahr Darbys zahlte das Pflegeheim über eine Million Dollar Miete an den REIT CareTrust REIT. Gleichzeitig wies das Heim ein finanzielles Defizit aus, wie aus Gerichtsakten hervorgeht. REITs dürfen nach US-Steuerrecht keine Gesundheitsdienstleister betreiben, doch CareTrust war laut internen Dokumenten kein passiver Vermieter: Das Unternehmen wählte die Geschäftsführung des Heims aus und verlangte im Mietvertrag, dass mindestens 80 % der Betten belegt bleiben. Zudem kontrollierte CareTrust detailliert die Finanzen – von monatlichen Ausgaben für Pflegepersonal bis hin zu Verpflegungskosten. Auch behielt das Unternehmen die Ergebnisse von Sicherheitsinspektionen und Medicare-Qualitätsbewertungen im Blick.
Sowohl CareTrust als auch der Betreiber des Pflegeheims wiesen jede Verantwortung für Darbys Tod von sich. In einer schriftlichen Stellungnahme betonte CareTrusts Justiziar Joseph Layne:
"Wir sind Eigentümer der Immobilie, nicht Betreiber der Einrichtung."
Immobilieninvestoren mit weitreichendem Einfluss
In den letzten zehn Jahren haben REITs tausende Gebäude erworben, in denen Pflegeheime, Krankenhäuser und Seniorenresidenzen untergebracht sind. Eine Untersuchung von KFF Health News zeigt: Diese Investoren üben mehr Einfluss aus, als öffentlich bekannt ist. Gerichtsakten und Unternehmensdokumente belegen, dass REITs oft die Geschäftsführung bestimmen – und diese auch dann im Amt belassen, wenn ihnen Missstände wie chronische Unterbesetzung, mangelnde Hygiene oder wiederholte Sicherheitsverstöße bekannt sind.
Ein Beispiel aus Kalifornien: Ein REIT musste im März 2024 eine Strafe von 92 Millionen Dollar zahlen, nachdem eine 100-jährige Demenzpatientin erfroren war.
"Die REITs sind die eigentlichen Entscheidungsträger",sagte Laraclay Parker, Anwältin der Familie Darby.
Fehlende Kontrolle durch Behörden
Trotz ihrer zentralen Rolle bleiben REITs für staatliche Gesundheitsbehörden unsichtbar. Pflegeheime und Krankenhäuser müssen in ihren jährlichen Berichten an Medicare weder Mietzahlungen noch die Identität ihrer Vermieter offenlegen. Unter Präsident Donald Trump setzte die Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) eine Regelung aus Biden-Zeiten aus, die Pflegeheime verpflichtet hätte, REIT-Beteiligungen zu melden. Eine Sprecherin der CMS erklärte, die Behörde reguliere keine Immobilieninvestoren.
Fazit: Profit auf Kosten der Pflege
Die Fälle zeigen ein strukturelles Problem: Während REITs durch hohe Mieten und strenge Vertragsbedingungen Gewinne erzielen, leiden Bewohner unter mangelnder Pflege. Die fehlende Transparenz und Aufsicht verschärfen die Situation. Experten fordern strengere Regulierung, um die Interessen der Bewohner zu schützen.