Der erste Auftritt von OpenAI-CEO Sam Altman als Zeuge vor Gericht hat die zentrale Streitfrage im Rechtsstreit mit Elon Musk verdeutlicht: Kann man den Führungskräften der KI-Branche vertrauen, wenn es um die Sicherheit der Technologie geht – oder geht es ihnen vor allem um Macht und Geld?

Altman widerspricht Musks „gestohlener Wohltätigkeit“

Altman wies Musks zentrale Behauptung zurück, OpenAI und Microsoft hätten versucht, eine „Wohltätigkeitsorganisation zu stehlen“. „Diese Darstellung ist schwer nachvollziehbar“, erklärte er vor Gericht. Seiner Ansicht nach war die Umwandlung in ein gewinnorientiertes Unternehmen notwendig, um die finanziellen Mittel für die Entwicklung sicherer und leistungsfähiger KI aufzubringen.

Musk präsentiert sich als Hüter von OpenAIs Mission

Musk hingegen inszeniert sich im Prozess als Verteidiger der ursprünglichen, gemeinnützigen Ziele von OpenAI. Altman widersprach dieser Darstellung und behauptete, Musk habe von Anfang an versucht, OpenAI zu kontrollieren – etwa durch Forderungen nach einer Mehrheitsbeteiligung oder einer Fusion mit Tesla. Zudem soll Musk angestrebt haben, die Kontrolle an seine Kinder weiterzugeben.

Hintergrund: Musks Klage und die Vorwürfe

Musk verklagte 2024 Altman, OpenAI, Greg Brockman und Microsoft. Er wirft ihnen vor, die gemeinnützige Mission des Unternehmens verraten zu haben. Der Prozess läuft seit vergangenem Monat vor einem Bundesgericht in Oakland. Zu den Zeugen gehören neben Musk auch Brockman, Ilya Sutskever und der OpenAI-Aufsichtsratsvorsitzende Bret Taylor.

Angriffe auf Altmans Glaubwürdigkeit

Musks Anwälte versuchen, Altmans Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Sie verwiesen auf Aussagen ehemaliger OpenAI-Mitarbeiter wie Mira Murati, Ilya Sutskever und Helen Toner sowie auf frühere Kritik an Altmans Karriere als Tech-Investor und Unternehmer. „Ich halte mich für einen ehrlichen und vertrauenswürdigen Geschäftsmann“, betonte Altman in seiner Aussage.

Besonders im Fokus standen auch Altmans finanzielle Verbindungen zu Unternehmen wie Stripe, Cerebras und Helion, in denen er Anteile hält oder hielt. Bis vor kurzem war er zudem Vorstandsvorsitzender von Helion.

Keine klare Lösung in Sicht

Der Prozess offenbart die grundsätzlichen Konflikte in der KI-Governance: Wie lässt sich die Balance zwischen Innovation, Sicherheit und wirtschaftlichem Interesse finden? Die Schlussplädoyers sind für diesen Donnerstag angesetzt.

Quelle: Axios