Die Marvel-Special-Edition „The Punisher: One Last Kill“ beginnt mit einem brutalen Akt der Gewalt: Innerhalb der ersten fünf Minuten wird ein Hund vor den Augen seines Besitzers – eines obdachlosen Veteranen (gespielt von John Douglas Thompson) – vor einen Lastwagen geworfen. Die Szene dient als düstere Botschaft: Die Welt ist grausam, und Hoffnung gibt es nur durch Frank Castles blutige Rache. Doch statt einer tiefgründigen Handlung oder Charakterentwicklung wird diese These immer wieder und wieder durchgekaut.
Die Handlung setzt ein, nachdem Frank Castle bereits den Großteil der Gnucci-Mafia ausgelöscht hat. Ein Machtvakuum entsteht, das die Straßen New Yorks in Chaos stürzt. Geplagt von Visionen seines verstorbenen Freundes Curtis Hoyle (Jason R. Moore) und seiner ermordeten Familie, versucht Frank, seine Waffen niederzulegen und ein normales Leben zu führen. Doch dann erscheint Ma Gnucci (Judith Light), die Anführerin der verbleibenden Verbrecherfamilie. Sie kündigt an, jeden Kriminellen aus „Little Sicily“ auf Frank zu hetzen – als Rache für den Tod ihrer Familie. Damit endet der erste Akt der Special-Edition.
Der zweite Akt – immerhin die Hälfte der insgesamt 45 Minuten Laufzeit – besteht ausschließlich aus einer endlosen Blutorgie. Frank Castle metzelt sich durch eine Horde Angreifer in seinem Wohnhaus. Zwischendurch wirft die Produktion einige pseudo-tiefgründige Sätze ein: Franks Verlust seiner Familie wird mit Ma Gnuccis Trauer verglichen, und die Vernachlässigung von Kriegsveteranen durch den Staat wird thematisiert. Doch diese Ansätze bleiben oberflächlich und werden schnell von der nächsten Gewaltexplosion überlagert.
Besonders enttäuschend ist die Inszenierung der Actionszenen. Trotz des Einsatzes von Stuntleuten und Koordinatoren wirken die Kämpfe chaotisch: Wackelige Kameras, schlecht geplante Einstellungen und eine überladene Musikuntermalung (unter anderem ein Song von Hatebreed) erinnern an billige Action aus einer alten „The Shield“-Folge. Die Special-Edition verzichtet darauf, die faschistoiden Untertöne eines Helden zu hinterfragen, der seine Erlösung einzig im Töten findet. Stattdessen wird der Zuschauer mit einer sinnlosen Gewaltorgie konfrontiert, die weder emotional noch intellektuell überzeugt.
Am Ende bleibt nur die Frage: Warum hat Marvel eine solche Produktion veröffentlicht? „The Punisher: One Last Kill“ ist weder eine Hommage an den Anti-Helden noch eine kritische Auseinandersetzung mit Gewalt. Es ist eine billige, brutale Machtdemonstration – ohne Substanz, ohne Stil und ohne Sinn.