Die Zeiten, in denen Autokäufer bereitwillig überhöhte Preise zahlten, sind vorbei. Doch die Rechnung kommt jetzt: Immer mehr Amerikaner sitzen auf Autokrediten fest, die höher sind als der Wert ihres Fahrzeugs. Die Folge: eine Schuldenfalle, aus der viele nicht mehr entkommen.

Negativsalden auf Rekordniveau

Seit der Pandemie haben sich die Negativsalden bei Autokrediten dramatisch erhöht. Laut einer Analyse des Branchenportals Edmunds hatten im ersten Quartal dieses Jahres rund 31 Prozent der Autokäufer, die ihr altes Fahrzeug in Zahlung gaben, noch Schulden auf dem alten Auto – im Schnitt rund 7.200 US-Dollar. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch deutlich niedriger.

Das Problem: Viele Käufer tilgen ihre alten Schulden nicht, sondern rollen sie einfach in den neuen Kredit ein. Sie zahlen dann nicht nur für das neue Auto, sondern auch weiterhin für das alte – inklusive Zinsen. Doug Horner, ein Autohändler aus Ohio, berichtet von einem Kunden, der einen Ford F-150 Lightning gegen einen Mercedes-Benz GLE Coupe eintauschen wollte – obwohl er noch 87.000 US-Dollar auf den Pickup schuldete, der heute nur noch 47.000 US-Dollar wert ist.

„Das ist ein Kampf, den wir jeden Tag führen.“
— Doug Horner, Autohändler

Längere Laufzeiten, höhere Risiken

Um die monatlichen Raten erschwinglich zu halten, verlängern viele Käufer die Laufzeiten ihrer Kredite. Durchschnittlich 70 Monate sind heute keine Seltenheit mehr – fast ein Viertel aller Neuwagenfinanzierungen läuft über derart lange Zeiträume. Manche Verträge erstrecken sich sogar noch darüber hinaus.

Doch diese Strategie hat einen hohen Preis: Die Tilgung des Kredits dauert länger, und der Wertverlust des Fahrzeugs schreitet schneller voran als die Rückzahlung. Besonders riskant wird es, wenn das Einkommen sinkt oder unerwartete Ausgaben anfallen. Edmunds zufolge finanzierten Käufer mit Negativsaldo in diesem Jahr im Schnitt 56.000 US-Dollar für ein neues Auto – bei monatlichen Raten von rund 932 US-Dollar. Das entspricht fast einer Hypothekenrate für ein Objekt, das den Großteil der Zeit ungenutzt auf dem Parkplatz steht.

Folgen: Höhere Insolvenz- und Pfändungsrisiken

Die Risiken sind real: Studien zeigen, dass Käufer, die ihre Schulden von einem Auto ins nächste übertragen, deutlich häufiger mit Zahlungsausfällen und Pfändungen konfrontiert sind. Gleichzeitig erreichen die Ausfallraten bei Autokrediten den höchsten Stand seit 2010.

Nicht alle Autokäufer sind betroffen. Wer ein Fahrzeug mit stabiler Wertentwicklung besitzt, kann noch immer positive Handelswerte vorweisen. Doch für viele Amerikaner wird die Pandemie-Ära zum langfristigen finanziellen Albtraum – besonders für Besitzer von Modellen wie dem Cadillac Escalade ESV, der innerhalb von fünf Jahren mehr als 60 Prozent seines Wertes verloren hat.

Was können betroffene Autokäufer tun?

  • Schulden tilgen: Wer die Möglichkeit hat, sollte versuchen, den Negativsaldo möglichst schnell abzubauen, um nicht in eine noch tiefere Schuldenfalle zu geraten.
  • Kürzere Laufzeiten wählen: Auch wenn die monatlichen Raten höher sind, lohnt es sich, auf kürzere Finanzierungszeiträume zu setzen, um schneller schuldenfrei zu werden.
  • Alternativen prüfen: In manchen Fällen kann der Verkauf des Fahrzeugs und die Rückzahlung des Kredits sinnvoller sein als ein Weiterfinanzieren.
  • Beratung suchen: Finanzexperten oder Schuldnerberatungen können helfen, individuelle Lösungen zu finden und weitere Fehler zu vermeiden.

Fazit: Die Pandemie-Folgen bleiben

Die Autokäufer, die während der Pandemie zu überhöhten Preisen kauften, zahlen heute den Preis. Die Kombination aus hohen Negativsalden, langen Laufzeiten und sinkenden Fahrzeugwerten führt zu einer gefährlichen Spirale. Wer nicht gegensteuert, riskiert langfristige finanzielle Probleme – und das in einer Zeit, in der die Zinsen ohnehin steigen.

Quelle: CarScoops