Die Spielebranche steht seit Jahren unter Druck: Massenentlassungen, Kostendruck und die Forderung nach mehr Flexibilität prägen die Debatte. Doch selten äußern sich Führungskräfte so offen wie Maria Sayans, CEO des britischen Entwicklers Ustwo Games. In einem Interview mit Game Developer brach sie mit einem langjährigen Branchen-Narrativ – und löste damit kontroverse Reaktionen aus.
Sayans, bekannt als Mitentwicklerin der erfolgreichen „Monument Valley“-Reihe, räumte ein, dass ihr Unternehmen „niemals“ die Produktionskosten von Konkurrenten erreichen könne – weil sie in London ansässig ist und Festangestellte mit Pensionsansprüchen beschäftigt. Diese strukturellen Unterschiede, so ihre Argumentation, zwängen Ustwo zu höheren Fixkosten.
Doch ihre Aussagen gingen weiter: „Wir waren zu romantisch, was langfristige Arbeitsplatzsicherheit angeht.“ Sie verwies darauf, dass der Anteil an Zeitarbeitskräften in der Vergangenheit „relativ gering“ war – ein Zustand, den sie nun ändern wolle. Künftig solle ein kleines Kernteam durch freie Mitarbeiter ergänzt werden, um flexibler auf Marktveränderungen reagieren zu können.
Sayans betonte zwar, dass sie diese Entwicklung „hasst“ – doch als CEO sei ihr Spielraum begrenzt. Die Branche, so ihre Analyse, habe sich in den letzten zwei Jahrzehnten radikal verändert: Wer heute in die Spieleentwicklung einsteige, habe es „nicht mehr so gut“ wie die Pioniere der frühen 2000er-Jahre. Stabilität sei kein Selbstläufer mehr.
Ihre Worte werfen grundsätzliche Fragen auf: Ist die Ära der Festanstellungen in der Spielebranche vorbei? Oder handelt es sich hier um eine einzelne, provokante Meinung, die nicht repräsentativ für die gesamte Industrie ist?
„Die Spielebranche hat sich verändert. Die Zeiten, in denen Unternehmen langfristige Arbeitsplatzsicherheit garantieren konnten, sind vorbei.“
— Maria Sayans, CEO von Ustwo Games
Ustwo Games selbst steht seit Jahren in der Kritik: Das Studio war an „Monument Valley 2“ beteiligt und bekannt für seine kontroverse Haltung gegenüber Gewerkschaften. Sayans‘ Aussagen könnten nun als weiterer Beleg für eine Branche gewertet werden, die sich zunehmend von traditionellen Arbeitsmodellen verabschiedet – zugunsten von Kosteneffizienz und Flexibilität.
Die Reaktionen auf ihre Aussagen sind gespalten: Während einige die Ehrlichkeit loben, sehen andere darin einen Rückschritt für Arbeitnehmerrechte. Fest steht: Sayans‘ Worte markieren einen Wendepunkt in der Debatte über die Zukunft der Spieleentwicklung.