Die Zahl der Syphilis-Fälle steigt in den USA, insbesondere in den Südstaaten. Eine aktuelle Studie der Tulane University liefert nun alarmierende Erkenntnisse: Eine unbehandelte oder spät erkannte Syphilis-Infektion kann zu schweren Schäden an Herz und Blutgefäßen führen.

Die im JAMA Network Open veröffentlichte Studie analysierte Gesundheitsdaten von über 8.800 Erwachsenen über einen Zeitraum von 15 Jahren. Dabei zeigte sich, dass Patienten mit einer länger als ein Jahr bestehenden Syphilis-Infektion ein deutlich höheres Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten als Vergleichspersonen ohne Infektion.

Erhöhte Risiken im Detail

Nach Berücksichtigung von Vorerkrankungen ergaben sich folgende Zusammenhänge:

  • Doppelt so hohes Risiko für Aortenaneurysma oder -dissektion
  • 53 % höheres Risiko für ischämischen Schlaganfall
  • 92 % höheres Risiko für hämorrhagischen Schlaganfall
  • 31 % höheres Risiko für Herzinfarkt
  • 28 % höheres Risiko für periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Zusätzlich wurde eine deutlich erhöhte Sterblichkeit bei infizierten Patienten festgestellt. Besonders besorgniserregend ist der erstmalige Nachweis eines Zusammenhangs zwischen Syphilis und pAVK, einer Erkrankung, die zu Durchblutungsstörungen, Taubheitsgefühlen und schlecht heilenden Wunden führt.

Syphilis wird oft unterschätzt

Syphilis gilt zwar als heilbar – oft reicht eine einzige Penicillin-Injektion aus. Doch die Studie zeigt, dass eine unbehandelte oder spät erkannte Infektion langfristige, potenziell lebensbedrohliche Folgen haben kann.

„Dies ist eine der wenigen modernen Studien, die einen Zusammenhang zwischen Syphilis und schweren Herz-Kreislauf- sowie neurologischen Schäden nachweisen. Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in den USA sind, müssen Ärzte bei Risikopatienten besonders auf Syphilis achten.“

Eli Tsakiris, Hauptautor der Studie und Medizinstudent an der Tulane University School of Medicine

Hintergrund: Syphilis auf dem Vormarsch

Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) stieg die Zahl der Syphilis-Fälle in den USA zwischen 2018 und 2022 um 80 %. Die Studie stützt sich auf elektronische Patientenakten aus drei Krankenhäusern in New Orleans über einen Zeitraum von 15 Jahren. Dabei wurden die Daten von 1.469 Syphilis-Patienten mit denen von 7.345 nicht infizierten Personen verglichen. Patienten mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden ausgeschlossen, um Verzerrungen zu vermeiden.

Obwohl die Studie einen klaren Zusammenhang zwischen Syphilis und Herz-Kreislauf-Risiken zeigt, kann sie keinen direkten Kausalzusammenhang beweisen. Es handelt sich um eine retrospektive Analyse, die weitere Forschung erfordert. Dennoch unterstreicht sie die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung von Syphilis, um schwerwiegende Spätfolgen zu vermeiden.

Amitabh C. Pandey, korrespondierender Autor und Direktor der Abteilung für kardiovaskuläre Translationale Forschung an der Tulane University School of Medicine, betont: „Diese Arbeit ist ein erster Schritt, um zu verstehen, wie Infektionskrankheiten wie Syphilis das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen können – möglicherweise durch chronische Entzündungsprozesse.“