Geheimnisvolle Milliarden-Zahlung an TotalEnergies

Die US-Regierung unter Donald Trump hatte im vergangenen Jahr angekündigt, dem Energiekonzern TotalEnergies fast eine Milliarde Dollar zu zahlen, um dessen Offshore-Windpark-Projekte in den USA zu stornieren. Die offizielle Begründung: Das Geld solle in US-amerikanische Öl- und Gasprojekte fließen. Doch jetzt zeigen interne Dokumente, dass der Deal für TotalEnergies deutlich vorteilhafter ausfiel als zunächst kommuniziert.

Dokumente belegen: Steuerzahler finanzieren bestehende Ölprojekte

Das Bureau of Ocean Energy Management veröffentlichte kürzlich die Vertragsunterlagen zu den beiden stornierten Offshore-Wind-Lizenzen. Darin wird klar, dass TotalEnergies keine neuen Investitionen tätigen musste, um die Zahlung zu erhalten. Stattdessen reichte das Unternehmen bereits getätigte Ausgaben für Öl- und Gasprojekte ein – teilweise sogar aus dem November 2023.

Laut den Vertragsbedingungen musste TotalEnergies lediglich nachweisen, dass es innerhalb von 21 Wochen den gleichen Betrag (928 Millionen Dollar) in „konventionelle Energieprojekte“ investierte. Dazu zählten direkte Kapitalausgaben für eigene Öl- und Gasvorhaben sowie Ausgaben über Joint Ventures. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer bestätigte die Ausgaben, woraufhin die Lizenzen storniert wurden.

Rio Grande LNG-Projekt als Hauptprofiteur

Besonders brisant: Die Ausgaben für das bereits beschlossene Rio Grande LNG-Exportterminal in Texas wurden als „eligible expenditures“ anerkannt. Das Projekt war bereits im September 2023 final beschlossen worden – die Zahlung der US-Regierung floss also in ein bereits laufendes Vorhaben. Innerhalb von weniger als fünf Monaten hatte TotalEnergies die geforderte Summe verbucht.

  • Carolina Long Bay (North Carolina): Lizenz storniert am 2. April 2024
  • Attentive Energy (New Jersey): Lizenz storniert am 13. April 2024

Experten kritisieren „Sweetheart-Deal“

„Die Einbeziehung des Rio Grande-Projekts zeigt, dass diese Vereinbarung wie ein Gefälligkeitsgeschäft wirkt. Die Regierung rechtfertigt damit, einem Unternehmen eine Milliarde Dollar zu zahlen, nur weil es keine Offshore-Windparks in den USA baut.“

— Kit Kennedy, Managing Director für Energie und Klima beim Natural Resources Defense Council

Kennedy kritisiert zudem die sozialen Folgen: „Während die Amerikaner mit hohen Stromrechnungen kämpfen, fließt eine Milliarde Steuergelder an einen Konzern. Das Ergebnis? Höhere Strompreise für die Bürger.“

Innenministerium weicht Fragen aus

TotalEnergies blieb auf Anfrage eine Stellungnahme schuldig. Das US-Innenministerium antwortete nicht direkt auf die Vorwürfe, sondern veröffentlichte eine allgemeine Erklärung: „Die Vereinbarungen folgen den gesetzlichen Vorgaben und dienen den Interessen der amerikanischen Öffentlichkeit.“

Fazit: Steuergelder für Öl statt Energiewende

Die Enthüllungen werfen neue Fragen zur Transparenz der Trump-Administration auf. Kritiker sehen darin einen weiteren Beleg für die Bevorzugung fossiler Energieträger gegenüber erneuerbaren Projekten – trotz gegenteiliger politischer Rhetorik. Die Dokumente zeigen: Der Deal mit TotalEnergies war weniger ein „Trade“ als vielmehr eine einseitige Subvention für die Ölindustrie.