Die Trump-Regierung hat am Montag zwei weitere Vereinbarungen unterzeichnet, um Offshore-Wind-Pachtverträge zu stornieren und die ehemaligen Pächter mit fast einer Milliarde Dollar zu entschädigen. Damit bestätigt sich, dass die zuvor mit dem französischen Energiekonzern TotalEnergies getroffene Absprache kein Einzelfall war, sondern eine neue, wiederholbare Strategie zur Schwächung der Windenergiebranche darstellt.
Wie bereits im Fall von TotalEnergies stellt das Innenministerium die Vereinbarungen als Gegenleistung dar: Die Unternehmen erhalten ihre Entschädigung nur, wenn sie einen gleichwertigen Betrag in US-amerikanische Öl- und Gasprojekte investieren. Aktuell gibt es noch mehrere Unternehmen mit ungenutzten Offshore-Wind-Pachtverträgen, die ähnliche Deals abschließen könnten. Sollte dies geschehen, könnten die Kosten für Steuerzahler auf über vier Milliarden Dollar steigen.
Die jüngsten Vereinbarungen betreffen die Projekte Bluepoint Wind und Golden State Wind.
Bluepoint Wind: Investition in Flüssiggas statt Offshore-Wind
Bluepoint Wind ist ein Offshore-Windprojekt vor der Küste von New York und New Jersey. Es wird von Global Infrastructure Partners (GIP), einer Investmentfirma im Besitz des Vermögensverwalters BlackRock, und Ocean Winds betrieben. Ocean Winds ist ein Joint Venture des französischen Energieunternehmens Engie und des Entwicklers EDP Renewables. Die Unternehmen hatten ursprünglich 765 Millionen Dollar für die Pacht gezahlt.
Laut der Bekanntmachung des Innenministeriums hat sich GIP verpflichtet, diesen Betrag in eine nicht näher spezifizierte US-amerikanische Flüssiggas-Anlage (LNG) zu investieren. GIP ist bereits ein großer Investor in mehrere US-amerikanische LNG-Projekte und hat im September 2023 gemeinsam mit TotalEnergies eine finale Investitionsentscheidung für die Erweiterung des Rio Grande Exportterminals getroffen. Falls die Stornierungsvereinbarung dem Muster des TotalEnergies-Deals folgt, könnte GIP diese bestehende Investition auf den geforderten Betrag anrechnen lassen.
Golden State Wind: Unklare Investitionsauflagen
Golden State Wind ist eines der ersten Offshore-Wind-Projekte an der Pazifikküste. Es wird von Ocean Winds und dem Canada Pension Plan Investment Board (CPPIB), einer kanadischen Investmentfirma, betrieben. Die Unternehmen hatten 120 Millionen Dollar für die Pacht gezahlt.
Die Bekanntmachung der Regierung bleibt hier vage: Die Entschädigung soll erst nach einer Investition in gleicher Höhe in die Entwicklung von US-amerikanischen Öl- und Gasprojekten, Energieinfrastruktur und/oder LNG-Projekte an der Golfküste erfolgen. Das CPPIB verfügt über Beteiligungen an Öl- und Gaspipelines sowie Förderprojekten in den USA. Während Engie zwar LNG aus den USA bezieht, war das Unternehmen bisher nicht direkt in US-amerikanische Öl- und Gasprojekte involviert. EDP Renewables konzentriert sich ausschließlich auf erneuerbare Energien, und die Muttergesellschaft EDP Group ist ein portugiesisches Versorgungsunternehmen.
Rechtliche Grauzone: Wie die Regierung die Stornierung durchsetzt
Grundsätzlich erlaubt das US-amerikanische Pachtrecht Unternehmen nicht, einfach aus ihren Verträgen auszusteigen und eine Rückerstattung zu erhalten. Eine Stornierung ist nur möglich, wenn die Regierung nachweisen kann, dass die Entwicklung der Projekte die Umwelt gefährden oder die nationale Sicherheit bedrohen würde – und dies muss in einer Anhörung belegt werden. Die Trump-Regierung nutzt nun einen anderen Weg: Wie im Fall von TotalEnergies hat sie rechtliche Vergleichsvereinbarungen mit den Unternehmen getroffen und plant, die Zahlungen aus dem Judgment Fund zu leisten, einem staatlichen Fonds für gerichtliche Vergleiche und Entschädigungen.
Kritiker werfen der Regierung vor, mit dieser Strategie gezielt die Offshore-Windbranche zu schwächen und gleichzeitig die fossile Energieindustrie zu fördern. Die Vereinbarungen könnten weitere Unternehmen dazu bewegen, ihre Offshore-Wind-Projekte aufzugeben – mit potenziell hohen Kosten für die Steuerzahler.