Trumps Wirtschaftspolitik: Siegestaumel trotz düsterer Realität
Präsident Donald Trump lud am Montag über 100 kleine Unternehmer in den Ostflügel des Weißen Hauses, um seinen vermeintlichen Erfolg zu verkünden. „Rekordgeschäfte“ seien das Ergebnis seiner Rückkehr ins Amt, erklärte er. Die Steuersenkungen und Deregulierungen im Rahmen des „One Big Beautiful Bill Act“ – dem zentralen Gesetzespaket seiner zweiten Amtszeit – hätten bereits Früchte getragen. Die Wirtschaft brumme, alles laufe „phänomenal, unglaublich und historisch gut“. Doch schon wenige Stunden später meldeten sich seine eigenen Berater kritisch zu Wort.
Berater warnen vor Realitätsverlust
Politico zitierte anonyme Quellen aus Trumps Umfeld, die seine Euphorie als unangemessen bezeichneten. „Jeder ist sich bewusst, wie schwierig es wird, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu halten“, sagte ein Berater. „Jeder weitere Tag des Krieges, jeder Tag mit Benzinpreisen um fünf Dollar macht es noch unwahrscheinlicher – und das ist schon jetzt sehr unwahrscheinlich.“
Tatsächlich belasten die Folgen von Trumps Politik die US-Wirtschaft massiv. Durch den Krieg gegen den Iran ist der durchschnittliche Benzinpreis in den USA auf fast 4,50 Dollar pro Gallone gestiegen – vor einem Jahr lag er noch bei etwa 3,15 Dollar. In einigen Bundesstaaten des Mittleren Westens und an der Westküste kostet der Liter bereits rund fünf Dollar. Hinzu kommen die Folgen seiner Handelszölle, die bereits zu deutlichen Preissprüngen geführt hatten. Obwohl einige dieser Zölle vom Supreme Court gekippt wurden, setzt Trump weiterhin auf neue Handelsbarrieren: Erst letzte Woche kündigte er einen 25-prozentigen Zoll auf Autos und LKWs aus der Europäischen Union an.
Iran-Konflikt verschärft Energiekrise
Trump steckt in einem unlösbaren Dilemma im Iran. Um die etwa 1.550 im Persischen Golf feststeckenden Schiffe durch die Straße von Hormus zu schleusen – eine lebenswichtige Schifffahrtsroute, die der Iran nach Beginn der US-Bombardements im Februar effektiv blockiert hat –, startete er am Sonntag das Projekt „Freedom“. Verteidigungsminister Pete Hegseth behauptete am Dienstag, man habe eine „rot-weiß-blaue Kuppel“ über die Meerenge gespannt, doch es gibt keine Anzeichen für einen nennenswerten Anstieg des Schiffsverkehrs. Zwei Zerstörer der US-Marine durchquerten die Straße zwar am Montag, doch bis Dienstag hatten nur wenige Schiffe die Blockade umgangen. Möglicherweise erklärt dies, warum Trump das Projekt bereits am Dienstagabend pausierte.
Die Folgen sind dramatisch: Ein Barrel Rohöl wird weiterhin mit über 100 Dollar gehandelt – vor einem Jahr lag der Preis noch bei etwa 60 Dollar. Selbst wenn die Straße von Hormus teilweise wieder geöffnet würde und die Ölpreise sinken, könnte es Monate dauern, bis sich das an der Zapfsäule bemerkbar macht. Wie die New York Times bereits Anfang April erklärte: „In der Energiebranche gibt es ein Sprichwort: Der Benzinpreis steigt wie eine Rakete, fällt aber wie eine Feder.“
Doch die Blockade der Straße von Hormus ist nicht das einzige Problem. Der Krieg hat bereits bestehende Lieferengpässe verschärft. Die Kombination aus hohen Energiepreisen, Handelskonflikten und geopolitischer Instabilität belastet die globale Wirtschaft – und Trumps Politik trägt maßgeblich dazu bei.
„Die Realität holt Trump ein: Seine Wirtschaftspolitik führt zu steigenden Preisen, Handelskonflikten und einer unsicheren Zukunft für die USA.“
Midterms in Gefahr: Trumps Popularität schwindet
Während Trump weiterhin auf seine Erfolge pocht, wächst die Skepsis in seiner eigenen Partei. Die anhaltenden wirtschaftlichen Probleme könnten seine Chancen auf einen Sieg bei den anstehenden Kongresswahlen weiter verschlechtern. „Jeder Tag des Krieges, jeder Tag mit hohen Benzinpreisen macht es weniger wahrscheinlich, dass die Republikaner ihre Mehrheit halten können“, warnen seine Berater. Doch statt Lösungen setzt Trump auf weitere Eskalation – mit ungewissem Ausgang für die globale Wirtschaft.