Im November letzten Jahres behauptete Vinay Prasad, damals Direktor des Center for Biologics Evaluation and Research der US-Arzneimittelbehörde FDA, in einer internen E-Mail, dass mindestens zehn Kinder nach einer COVID-19-Impfung verstorben seien. Belege für diese Aussage lieferte er nicht – und bis heute gibt es keine Beweise. Prasad verließ die FDA Ende April. Ein Glück für die Behörde.

Doch das Problem reicht tiefer: Weitere Gesundheitsbeamte der Trump-Administration setzen ihre Bemühungen fort, das Vertrauen der US-Bevölkerung in die Sicherheit geprüfter Impfstoffe zu untergraben. Besonders aktiv ist dabei Jay Bhattacharya, der gleichzeitig Leiter des National Institutes of Health (NIH) und kommissarischer Direktor der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) ist.

Im April verzögerte und blockierte Bhattacharya schließlich die Veröffentlichung einer Studie im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) der CDC. Die Studie untersuchte die Wirksamkeit der COVID-19-Impfstoffe für die Saison 2025–2026 gegen Notfallbehandlungen und Krankenhausaufenthalte. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die Impfstoffe bei Erwachsenen über 18 Jahren zu 50 % gegen Notaufnahmen und zu 55 % gegen Krankenhausaufenthalte aufgrund von COVID-19 schützten – im Vergleich zu Ungeimpften.

In einem Gastbeitrag für die Washington Post rechtfertigte Bhattacharya die Unterdrückung der Studie mit einer angeblichen „wissenschaftlichen Meinungsverschiedenheit“ über die verwendete Methodik. Sein Hauptkritikpunkt: die sogenannte „Test-Negativ-Design“-Methode, die weltweit – darunter in Großbritannien, Australien, Kanada und Europa – zur Bewertung der Wirksamkeit von Atemwegsimpfstoffen eingesetzt wird.

Wie funktioniert die Test-Negativ-Design-Methode?

Bei dieser Methode werden erkrankte Personen, die positiv auf COVID-19 getestet wurden, mit erkrankten Personen verglichen, die negativ auf COVID-19 getestet wurden, aber an anderen Atemwegserkrankungen leiden. Anschließend wird überprüft, wie viele aus jeder Gruppe geimpft waren. Sind weniger Geimpfte in der COVID-19-positiven Gruppe, deutet dies auf eine schützende Wirkung des Impfstoffs hin. Die unterdrückte Studie bestätigte genau diesen Effekt: Die Impfstoffe boten einen signifikanten Schutz vor schweren COVID-19-Verläufen.

Zudem räumte die Studie ein, dass die von Bhattacharya kritisierten Einschränkungen der Methode bekannt seien. Sein Vorwurf, die MMWR-Studien seien wegen fehlender externer Peer-Review unzuverlässig, ist zudem fragwürdig. Denn zahlreiche peer-reviewte Studien zur COVID-19-Impfstoffwirksamkeit kamen in der Vergangenheit zu ähnlichen Ergebnissen wie die CDC-Publikationen.

Weitere Blockaden: FDA verhindert Veröffentlichung wichtiger Sicherheitsstudien

Doch die Trump-Administration geht noch weiter: Wie die New York Times berichtet, hat die FDA kürzlich die Veröffentlichung mehrerer neuer, von der Behörde unterstützter Studien in Fachzeitschriften blockiert. Diese Studien sollten die Sicherheit von COVID-19- und Gürtelrose-Impfstoffen überprüfen. Die Gründe für die Blockade bleiben unklar.

Experten warnen vor den Folgen dieser politischen Einmischung in die Wissenschaft.

„Die systematische Unterdrückung von Daten, die die Wirksamkeit von Impfstoffen belegen, gefährdet nicht nur die öffentliche Gesundheit, sondern untergräbt auch das Vertrauen in die gesamte medizinische Forschung“,
so ein Immunologe der Harvard Medical School, der anonym bleiben möchte.

Fazit: Wissenschaft vs. Politik

Während die Trump-Administration weiterhin versucht, wissenschaftliche Erkenntnisse zu manipulieren, um politische Ziele zu verfolgen, wächst der Widerstand in der Forschungsgemeinschaft. Die Blockade wichtiger Studien und die Verbreitung unbelegter Behauptungen gefährden nicht nur die Bekämpfung von COVID-19, sondern stellen auch eine Bedrohung für das Vertrauen in Impfstoffe insgesamt dar. Die Frage bleibt: Werden sich die Gesundheitsbehörden in Zukunft wieder auf Fakten statt auf politische Interessen konzentrieren?

Quelle: Reason