Klimaschutz als „finanzielle Katastrophe“ – Trumps fragwürdige Argumente

Wenn es um Klimapolitik geht, wiederholt Donald Trump ein bekanntes, aber fragwürdiges Argument: Klimaschutz sei eine wirtschaftliche Belastung. Nach dem Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen behauptete er, die USA würden „Billionen Dollar“ verlieren, die andere Länder nicht zahlen müssten. Auch Bidens Pläne für Elektroautos bezeichnete er als „wirtschaftliche Zerstörung“ – bis er selbst die Industrie „rettete“, indem er die Pläne zurücknahm. Gegenüber Weltführern warnte er kürzlich: „Wenn ihr euch von diesem grünen Betrug nicht fernhaltet, wird euer Land scheitern.“

Die wahren Kosten des Nicht-Handelns

Doch die Begründungen der Trump-Administration für die Abschaffung von Umweltschutzmaßnahmen basieren stets auf finanziellen Argumenten. Dabei werden die enormen Kosten ignoriert, die durch ungebremsten Klimawandel entstehen. Extreme Wetterereignisse wie die Rekordhitze im Westen der USA Ende März verschärfen bereits jetzt die Waldbrandgefahr und bedrohen die Wasserversorgung durch schmelzende Schneedecken.

Die finanziellen Folgen sind bereits spürbar: Eine Studie des Brookings Instituts aus dem September 2023 zeigt, dass die Auswirkungen des Klimawandels – von steigenden Versicherungskosten bis zu Gesundheitsrisiken durch Waldbrandrauch – den durchschnittlichen US-Haushalt jährlich zwischen 219 und 571 Dollar kosten. In einigen Fällen übersteigen die Belastungen sogar 1.000 Dollar pro Jahr.

Klimaschutz schadet nicht der Wirtschaft – aber einigen Branchen

Gernot Wagner, Klimawirtschaftsexperte an der Columbia Business School, betont: „Klimaschutz schadet der Gesamtwirtschaft nicht, aber bestimmten Industrien – vor allem der Ölindustrie.“ Seit Jahrzehnten verbreitet die fossile Brennstoffbranche das Narrativ, dass Klimaschutz zu teuer sei. Wagner erklärt: „Diese Erzählung ist kein Zufall.“

Bereits in den 1990er-Jahren begann der American Petroleum Institute, Ökonomen zu beauftragen, Studien zu erstellen, die Klimaschutzmaßnahmen als unerschwinglich darstellten. Eine industriegeförderte Studie aus dem Jahr 1991 berechnete, dass eine CO₂-Steuer von 200 Dollar pro Tonne das US-BIP bis 2020 um 1,7 Prozent schrumpfen würde – ohne dabei die Kosten des Nicht-Handelns zu berücksichtigen.

Trumps EPA ignoriert Lebenswert und Klimaschäden

Diese Tradition setzt die Trump-Administration heute fort. Die Umweltschutzbehörde EPA hat ihre Kosten-Nutzen-Analysen für Umweltvorschriften grundlegend geändert. Bisher berücksichtigte die EPA bei der Bewertung von Luftreinhaltungsmaßnahmen auch gesundheitliche Vorteile wie vermiedene Asthmaanfälle oder Todesfälle. Doch unter Trump wird der Wert eines geretteten Menschenlebens nun mit null Dollar angesetzt. Zudem wurde der „soziale Kostenfaktor von Kohlenstoff“ abgeschafft – ein Maß für die wirtschaftlichen Schäden durch Überschwemmungen, Dürren und andere Folgen der Erderwärmung. Die Biden-Administration hatte diesen Wert auf 190 Dollar pro Tonne CO₂ festgelegt.

Wer profitiert – und wer zahlt den Preis?

Die fossile Brennstoffindustrie hat jahrzehntelang versucht, Klimaschutz als wirtschaftliches Risiko darzustellen. Doch die Realität zeigt: Die wahren Kosten trägt die Gesellschaft – durch höhere Versicherungen, Gesundheitsausgaben und wirtschaftliche Verluste durch Extremwetter. Während einige Branchen kurzfristig profitieren, zahlen andere den Preis für diese Rechnung.

Fazit: Trumps Argument, Klimaschutz sei zu teuer, ignoriert die langfristigen Schäden des Nicht-Handelns. Die finanziellen Folgen werden bereits heute sichtbar – und sie treffen vor allem diejenigen, die am wenigsten dafür können.

Quelle: Grist