Düngemittelknappheit trifft US-Landwirte hart
Die Schließung der Straße von Hormuz treibt die Düngemittelpreise in die Höhe. Eine Mehrheit der amerikanischen Landwirte gibt an, ihren Bedarf in diesem Jahr nicht decken zu können. Präsident Donald Trump betont, die Preisentwicklung genau zu beobachten, um mögliche Preistreiberei zu verhindern. Doch die Ursachen der Krise reichen tiefer – und führen direkt in die eigene Regierung.
Top-Handelsvertreter trieb als Lobbyist Preiserhöhungen voran
US-Handelsvertreter Jamieson Greer war vor seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr als Lobbyist für die J.R. Simplot Company tätig. Gemeinsam mit dem Konzern Mosaic Co. setzte er sich erfolgreich für höhere Zölle auf Düngemittelimporte ein – trotz Warnungen von Landwirten und Agrarverbänden vor steigenden Preisen und Versorgungsengpässen.
Greer vertrat Simplot vor der US International Trade Commission (ITC) und argumentierte, dass billige Importe aus Russland und Marokko die Verkaufszahlen und Gewinne des Unternehmens gefährdeten. 2021 setzte die ITC schließlich Zölle zwischen 16 und 47 Prozent durch – genau die Politik, die Greer zuvor als Lobbyist vorangetrieben hatte.
Finanzielle Verbindungen öffentlich dokumentiert
Greers Rolle bei Simplot ist kein Geheimnis. In seiner Bewerbung als Handelsvertreter hob die Regierung Trump explizit seine Verdienste hervor:
"Greer leitete die erfolgreiche Teilnahme der J.R. Simplot Company an Gegenmaßnahmen gegen Subventionen für Phosphatdünger aus Russland und Marokko."
Auch in seiner offiziellen Finanzoffenlegung wird seine Verbindung zu Simplot aufgeführt. Die Lobbying-Aktivitäten des Unternehmens waren intensiv: Zwischen 2017 und 2023 gab Mosaic jährlich über 800.000 US-Dollar für Lobbyarbeit aus. Susie Wiles, heute Stabschefin im Weißen Haus, vertrat Mosaic in diesem Zeitraum als Lobbyistin.
Landwirtschaftsministerium warnt vor "wirtschaftlicher Katastrophe"
Die Folgen der Politik sind heute spürbar. Eine Umfrage des American Farm Bureau ergab, dass 70 Prozent der Landwirte nicht genug Dünger für die diesjährige Ernte beschaffen können. Agrarministerin Brooke Rollins bezeichnete die Lage am Dienstag als "drohende wirtschaftliche Katastrophe".
Der akute Auslöser ist die Sperrung der Straße von Hormuz, durch die etwa 30 Prozent der weltweiten Düngemitteltransporte führen. Doch die bereits bestehenden Zölle verschärfen die Krise zusätzlich. Die Kombination aus geopolitischen Spannungen und protektionistischen Handelsmaßnahmen führt zu einer perfekten Sturm auf die Versorgung der amerikanischen Landwirtschaft.
Kritik an widersprüchlicher Politik
Experten und Verbände sehen in der aktuellen Situation einen Beleg für die negativen Folgen von Handelsbarrieren.
"Die Zölle haben die Abhängigkeit von Importen erhöht und gleichzeitig die Preise in die Höhe getrieben. Jetzt, wo die Importe ohnehin knapp sind, wird die Lage für die Landwirte immer dramatischer",so ein Sprecher des National Farmers Union.
Die Regierung Trump steht nun vor der Herausforderung, die eigenen Handelsmaßnahmen zu überdenken – oder die Folgen für die Landwirtschaft zu tragen.