Der Tod von Spirit Airlines: Ein Weckruf für den Markt
Letzte Woche äußerte ich mich in der Sendung Receipts Live mit Catherine Rampell positiv über das Ende von Spirit Airlines. Doch ich möchte klarstellen: Es tut mir leid, dass die Mitarbeiter ihren Job verlieren. Aber ich freue mich über das Verschwinden des Unternehmens als solches. Denn Spirit war ein schlechter Anbieter – und wenn der Markt solche Unternehmen eliminiert, ist das ein Zeichen für Fortschritt.
Was ist 'Enshittification'?
Dieser Begriff, geprägt vom Autor Cory Doctorow, beschreibt den schleichenden Niedergang von Unternehmen, die einst kundenorientiert waren, heute aber nur noch auf Profitmaximierung setzen. Ein Beispiel: Amazon. Vor Jahren versprach das Unternehmen, „erdzentriert“ zu sein. Heute ist es ein endloses Werbeportal, in dem bezahlte Platzierungen und eigene Produkte die organischen Suchergebnisse verdrängen.
Eine Suche nach „Katzenbetten“ bei Amazon zeigt: Die ersten fünf Bildschirme sind voll mit Werbung – darunter sogar Anzeigen für eigene Produkte des Konzerns. Organische Ergebnisse? Erst nach mehreren Scroll-Vorgängen. Die Folge: Kunden finden schwerer, was sie suchen, während Amazon seine Werbeeinnahmen steigert.
Wie kam es dazu?
Der Schlüssel liegt in Amazons 31-Milliarden-Dollar-Werbeumsatz. Das Unternehmen hat seine Plattform so gestaltet, dass es sowohl Käufer als auch Verkäufer kontrolliert. Diese Monopol- und Monopson-Macht ermöglicht es Amazon, von beiden Seiten Profite abzuschöpfen – auf Kosten der Nutzererfahrung. Statt Qualität zu liefern, wird der Schmerzpunkt der Kunden ausgereizt, um maximale Einnahmen zu generieren.
Die Ausbreitung des Phänomens
Doctorow warnt: Die 'Enshittification' frisst sich nicht nur durch die Tech-Branche, sondern durch die gesamte Wirtschaft. In einem Interview mit dem Financial Times 2024 skizzierte er eine „große Verschlechterung“ der digitalen Landschaft. Plattformen wie soziale Netzwerke, Suchmaschinen und sogar traditionelle Unternehmen folgen diesem Muster: Sie degradieren ihre Dienste, um kurzfristige Gewinne zu erzielen.
Warum ist das gefährlich?
Wenn Unternehmen wie Amazon, Facebook oder Airlines ihre Kunden vernachlässigen, um Profite zu steigern, leidet die gesamte Wirtschaft. Die Folge: Innovation erstickt, Kundenvertrauen schwindet und langfristige Stabilität geht verloren. Spirit Airlines ist nur ein Beispiel – doch das Problem ist systemisch.
Gibt es einen Ausweg?
Regulierung könnte ein Schlüssel sein. Strengere Kartellgesetze, Transparenzpflichten für Algorithmen und eine Rückbesinnung auf echte Kundenzentrierung wären Schritte in die richtige Richtung. Doch solange der Profit über allem steht, wird sich wenig ändern. Die Frage ist: Wann wird der Markt genug haben?
„Wenn eine Plattform nicht mehr beiden Seiten einer Transaktion verpflichtet ist, ändern sich die Anreize. Statt Qualität zu liefern, wird der niedrigste Schmerzpunkt der Nutzer ausgenutzt.“