Es ist ein Phänomen, das viele überrascht: Diskutieren Kollegen plötzlich über ‚Looksmaxxing‘ – eine extreme Selbstoptimierung, die von fragwürdigen Schönheitsidealen bis zu chirurgischen Eingriffen reicht. Doch genau das passiert zunehmend, sogar auf Plattformen wie LinkedIn. Was als Nischenthema in obskuren Internetforen begann, hat längst den Weg in die breite Öffentlichkeit gefunden.

Was steckt hinter dem Begriff ‚Looksmaxxing‘?

Der Begriff stammt aus der ‚Incel‘-Szene der 2010er-Jahre und beschreibt Methoden, mit denen Männer ihr äußeres Erscheinungsbild radikal verändern – etwa durch Kieferoperationen oder andere kosmetische Eingriffe. Im Jargon der ‚Manosphere‘ wird dies als ‚Optimierung‘ verklärt, als würde es um Produktivität und Effizienz gehen. Der Durchbruch gelang dem Phänomen, als der 20-jährige Influencer Clavicular kürzlich bei der New York Fashion Week auftauchte und in Medien wie der New York Times oder GQ thematisiert wurde.

Doch ‚Looksmaxxing‘ ist nur ein Teil eines größeren Problems: der ‚Manosphere‘. Dahinter verbirgt sich ein loses Netzwerk von Online-Communities, die rückständige Männlichkeitsbilder, Frauenfeindlichkeit und eine Ablehnung von Feminismus propagieren. Netflix hat das Thema kürzlich in einem Dokumentarfilm aufgegriffen, und auch große Medien wie NBC News oder das Wall Street Journal berichten darüber. Jetzt dringt die Sprache der ‚Manosphere‘ in den Arbeitsalltag vor.

Manosphere-Sprache im Büro: Ein Warnsignal

Ein Personalverantwortlicher, der anonym bleiben möchte, berichtet:

‚Ich habe schon mehrmals manosphere-typische Begriffe bei meinen Mitarbeitern gehört – etwa ‚Alpha‘, ‚Beta‘, ‚Chad‘ oder ‚Stacy‘. Das wirft Fragen auf, auch wenn es bisher keine konkreten Vorfälle gab.‘

Doch wie konnte es so weit kommen? Whitney Phillips, Medienethikerin an der Universität von Oregon, erklärt, dass der Begriff ‚Manosphere‘ zunehmend unscharf wird. Er umfasst heute alles von Andrew Tate – dem umstrittenen Influencer mit hypermaskulinen und antifeministischen Ansichten – bis hin zu Personen, die nur lose mit der UFC oder ‚Hustle Culture‘ verbunden sind. Durch die mediale Aufmerksamkeit dehnt sich der Begriff aus und zieht immer mehr Menschen an, die sich damit identifizieren.

Gefährliche Ideologien im Arbeitsumfeld

Phillips warnt:

‚Wenn immer mehr Figuren unter den Begriff ‚Manosphere‘ fallen, entsteht eine Art ‚Einheitsfront‘, an die sich Menschen klammern.‘

Ein Beispiel ist Mark Zuckerbergs Aussage in Joe Rogans Podcast, man müsse ‚Männlichkeit‘ zurück in den Arbeitsplatz bringen. Solche Aussagen passen zu der Vorstellung, dass Führung traditionell männliche Eigenschaften wie Dominanz erfordert – oder dass Diversity- und Inklusionsmaßnahmen den Arbeitsplatz ‚entmannen‘ würden. Die Vermischung verschiedener Gruppen unter einem Label macht es schwer, die eigentlichen ideologischen Gefahren zu erkennen.

Warum die Entwicklung besorgniserregend ist

  • Normalisierung problematischer Narrative: Begriffe wie ‚Alpha‘ oder ‚Beta‘ suggerieren eine binäre, hierarchische Sicht auf Geschlechterrollen – ein Rückschritt in Sachen Gleichberechtigung.
  • Gefahr für die Unternehmenskultur: Wenn solche Ideologien unreflektiert in Meetings oder Gesprächen auftauchen, kann das ein toxisches Arbeitsumfeld fördern.
  • Fehlende Sensibilisierung: Viele Führungskräfte erkennen die Problematik nicht, weil die ‚Manosphere‘ oft als harmlose Internetkultur abgetan wird.

Experten raten Unternehmen, gezielt aufzuklären und klare Grenzen zu setzen. Denn was als obskure Online-Subkultur begann, könnte sonst bald zum Alltag in deutschen Büros gehören.