Tränengas und Pfefferspray treffen unschuldige Kinder

In Broadview (Illinois), Columbus (Ohio), Minneapolis (Minnesota) und Portland (Oregon) wurden Kinder beim Schulweg, Einkaufen oder zu Hause von Tränengas oder Pfefferspray getroffen. Die Chemikalien breiteten sich über Blocks aus, drangen in Schlafzimmer ein und verursachten Atemnot bei Asthmatikern. Ein Säugling hörte auf zu atmen. Eine junge Mutter schilderte, wie ihre einjährige Tochter im Auto schreiend nach Luft rang, nachdem ein Beamter Pfefferspray durch das Fenster geschossen hatte.

Behörden schieben Schuld auf „Provokateure“

Das Department of Homeland Security (DHS) verteidigt den Einsatz der Reizstoffe und macht „Agitatoren“ in den Protesten sowie Eltern verantwortlich, die ihre Kinder in Gefahr brächten. Doch Videos belegen das Gegenteil: Beamte setzen die Chemikalien gezielt ein, selbst wenn Kinder anwesend sind. Ein Agent feuerte Pfefferkugeln ab und rief triumphierend „Fuck yeah!“.

In einem Fall behauptete ein DHS-Sprecher, die Pfefferspray-Attacke auf das Auto einer Familie sei eine „abscheuliche Inszenierung“. Ein lokaler Pfarrer widersprach dieser Darstellung und verwies auf Videoaufnahmen, die den Vorfall belegen.

Historische Parallelen und rechtliche Konsequenzen

Historiker vergleichen die massive Anwendung von Tränengas mit brutalen Polizeieinsätzen während der Bürgerrechtsbewegung. Gerichte in mehreren Städten verurteilten ICE und CBP wegen übermäßiger Gewaltanwendung. Ein Richter warf den Beamten „vorsätzliche Gleichgültigkeit“ gegenüber den Risiken – insbesondere für Kinder – vor. Trotz lokaler Urteile, die den Einsatz einschränken sollten, wurden weiterhin Kinder verletzt.

Fehlende bundesweite Regulierung

Die Vorfälle zeigen, dass es keine einheitlichen Richtlinien für den Einsatz von Reizstoffen durch Bundesbeamte gibt. Während einige Städte Klagen einreichen, bleibt der Schutz von Kindern bundesweit unzureichend. Die Debatte über die Legalität und Moral solcher Einsätze reißt nicht ab.

Zeugenberichte und Videoaufnahmen belegen die Vorwürfe

Ein ProPublica-Bericht identifizierte 79 betroffene Kinder in mindestens 15 Bundesstaaten. Die meisten Vorfälle ereigneten sich bei Razzien, Protesten oder im Umfeld von ICE-Einrichtungen. Die Organisation dokumentierte zudem Fälle, in denen Beamte Tränengas in Richtung von Wohnhäusern und Schulen abfeuerten.

„Die Beamten zeigen eine erschreckende Bereitschaft, Kinder als Kollateralschaden in Kauf zu nehmen.“
– Ein lokaler Aktivist aus Portland

Forderungen nach Reformen

Menschenrechtsorganisationen fordern ein bundesweites Verbot von Tränengas und Pfefferspray bei Einsätzen mit zivilen Opfern. Bisher lehnt die Regierung solche Maßnahmen ab. Kritiker verweisen darauf, dass die Chemikalien nicht nur körperliche Schäden verursachen, sondern auch psychische Traumata hinterlassen.

Die Debatte über die Härte der Migrationspolitik und die Methoden der Bundesbehörden bleibt damit weiterhin hochaktuell.

Quelle: ProPublica